Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Kommentar: Vorsicht vor den Lauten
Nachrichten Meinung

Kommentar zu dem Krach um Bernd Lucke: Vorsicht vor den Lauten

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:21 18.10.2019
Brauchte Polizeischutz für seine Vorlesung in Hamburg: Ex-AfD-Politiker Bernd Lucke. Quelle: Markus Scholz/dpa

In dieser Woche ist ein Professor der Universität Hamburg von Störern daran gehindert worden, seine Vorlesung zu halten. Er ist dazu im Hörsaal niedergebrüllt und körperlich bedrängt worden. Man kann das als lokales Ereignis abtun – oder aber als ein Beleg für ein Phänomen werten, das immer schwerer auszuhalten ist: die unerbittliche Rechthaberei im Land. Sie geht mit einem Maß an Intoleranz einher, die an sehr schwere Zeiten der Nation erinnert.

Lucke suchte anderen Weg

Der Professor war nicht irgendwer, sondern der Makrökonom Bernd Lucke, der 2013 mit anderen Konservativen die Alternative für Deutschland mitgegründet hat. Wie viele andere in der Partei kam er von der CDU, ihm ging es damals vorrangig um einen anderen europa- und währungspolitischen Weg, als ihn die wechselnden Regierungen in Berlin einschlugen.

Das interessiert heute in der AfD nur noch am Rande, Lucke ist bei ihrem Rechtsruck im Zuge der Flüchtlingswelle von einstigen Weggefährten schnell weggemobbt worden. Heute warnt er eindringlich vor der Wahl der AfD, die er als „latent fremdenfeindlich“ und „deutschnational“ einstuft und selbst längst verlassen hat.

Störer suchen nicht den Dialog

Den Störern in seinem Hörsaal waren solche Details völlig egal. Sie wollten ein Zeichen setzen, sich selbst als die unzweifelhaft Besseren zeigen. Sie suchten nicht den Dialog über Luckes Welt- und Faktensicht oder über seine verschiedenen Irrwege in der Politik – sondern wollten ihn einfach mundtot machen. Als Wissenschaftler und als Mensch wohl auch. Manche Beobachter erinnert das an 1968, andere verweisen auf ähnliche Störungen der freien Lehre an den Universitäten, die am Ende der Weimarer Republik standen. So oder so ist es unerträglich. Wie auch die Schlaffheit, mit der dieser Angriff auf die ja nicht nur akademische Freiheit in Teilen der Republik und der hamburgischen Verwaltung aufgenommen worden ist.

Ein Test auf die Freiheit

Das gilt umso mehr, als der Vorgang die derzeit populäre These stützt, man dürfe in diesem Land eben nichts mehr sagen. Dabei ist das Gegenteil richtig. Wir leben in einer der freiesten Gesellschaften dieses Planeten, haben so viele Möglichkeiten und Chancen zum offenen Gespräch wie noch nie in der deutschen Geschichte.

Nur bedeutet Dialog eben nicht nur reden sondern auch zuhören. Argumente von anderen zuzulassen, abzuwägen, notfalls auch auszuhalten. Von links – aber eben auch von rechts. Das Grundgesetz ist da nicht festgelegt. Und gibt doch den Rahmen vor, der die Demokratie schützt.

Die Störer von links und die neuen Nazis haben mit ihr nichts am Hut. Achten wir drauf. Es ist ein guter Test, um zu sehen, wer es noch ernst meint mit der Freiheit in diesem Land.

Lesen Sie dazu:

Konflikt um Lucke in Hamburg schwelt weiter

Von Hendrik Brandt

Die Innenminister von Bund und Ländern berieten nach dem Anschlag von Halle über den Schutz von Synagogen. Das ist gut und wird doch nicht reichen. Das zentrale Problem bleibt, dass Antisemitismus längst wieder Alltag geworden ist in Deutschland, kommentiert Markus Decker.

18.10.2019
Meinung Brötchenverkauf am Sonntag Kommentar: Das Glück der Kunden

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass sonntags länger Brötchen verkauft werden dürfen. Das Urteil ist nicht nur gut für die Kunden, meint unsere Kommentatorin. Damit macht der BGH auch unnötigen Tricksereien in Bäckereien ein Ende.

17.10.2019

Um das Klima zu schützen, will die Bundesregierung erreichen, dass mehr Menschen mit der Bahn fahren. Die Senkung der Mehrwertsteuer im Fernverkehr ist ein richtiger Schritt – doch man sollte die Gelegenheit nutzen, auch das schwer durchschaubare Preissystem zu überarbeiten, meint unsere Kommentatorin. Die Kritik an den Flexpreisen ist berechtigt.

17.10.2019