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Kommentar zum Böllervebot: Lasst es nicht mehr krachen

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15:07 26.10.2019
Die Polizei beobachtete vergangenes Silvester, ob das Böllerverbot in Hannover eingehalten wurde. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Man könnte sagen, es ist noch ein bisschen früh, um sich darüber Gedanken zu machen. Doch vielleicht ist es auch höchste Zeit: Soll es in Hannovers Innenstadt in der Silvesternacht ein Böllerverbot geben? Einige gute Gründe sprechen dafür.

Beim Böllerverbot geht es um die Reduzierung von Lärm, von Gefahr und von Feinstaubbelastung. Alles wichtige Themen. Es ist sehr vernünftig, zu Silvester keine Raketen in die Luft zu schicken und keine Böller zur Detonation zu bringen. Aber ist es auch vernünftig, denen, die nicht vernünftig sein wollen, das Böllern, Lärmen und Luftverpesten zu verbieten?

Da wird es schwierig.

Verbote sind nicht erwünscht

Denn die meisten reagieren recht empfindlich, wenn irgendwo Verbote drohen. Ob Tempo auf der Autobahn, Fleisch auf dem Teller oder Flug auf die Insel – Einschränkungen irgendwelcher Art sind nicht erwünscht.

Die Klimakatastrophe ist allerdings auch nicht erwünscht. Doch sie kündigt sich an. Die Zeichen sind deutlich: Gletscher verschwinden, das Eis der Arktis und der Antarktis schrumpft dramatisch, in Sibirien taut der Permafrostboden. Das alles passiert. Die Welt hat schon einige Kipppunkte des Klimawandels erreicht: Der Rückgang des Eises reduziert die Fähigkeit der Erde, Sonnenstrahlung in den Weltraum zu reflektieren, der tauende Permafrostboden setzt Methan frei, das deutlich schädlicher fürs Klima ist als Kohlendioxid.

Die Fakten liegen auf dem Tisch

Die Demonstranten von Fridays for Future und anderen Gruppen haben immer wieder auf die kommende Katastrophe aufmerksam gemacht, es gibt Kinofilme und TV-Dokumentationen zum Thema, und auch der Sachbuchmarkt bietet in diesem Herbst eine Fülle von Titeln, die sich mit der Klimakrise befassen. Man kann das alles wissen. Wer sich einigermaßen umfassend informiert, wird feststellen, dass es auch keine echte Diskussion um den menschgemachten Klimawandel gibt. Die allermeisten seriösen Wissenschaftler sind sich einig, dass der Mensch mit seinem Handeln dem Planeten Erde großen Schaden zufügt. Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Auch das, was jeder einzelne tun kann, ist klar: viel weniger Autofahren, viel weniger fliegen, viel weniger Fleisch verzehren, viel weniger verschwenderisch leben. Die meisten wissen das. Aber die meisten scheuen die Konsequenzen. Denn das Autofahren, das Fleischessen, das Fliegen und das Shoppen macht ja Spaß. Wie auch das Abbrennen von Böllern und das Abschießen von Raketen in den Nachthimmel.

Welche Wirkung hätte das Böllerverbot?

Ein Verbot von Böllern würde den Klimawandel nicht aufhalten und es würde auch nicht dabei helfen, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu umzusetzen. So ein Verbot würde vielleicht nur demonstrieren, dass die Luft nicht allein denen zur Verfügung steht, die gerade Spaß daran haben, sie mit Schadstoffen zu belasten.

Auf das Böllern zu verzichten, hätte nur eine symbolische Wirkung. Aber immerhin: die hätte es.

Von Ronald Meyer-Arlt

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