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Meinung Kommentar zur Hansmann-Kandidatur: Eine starke Vorlage der SPD
Nachrichten Meinung Kommentar zur Hansmann-Kandidatur: Eine starke Vorlage der SPD
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01:15 06.05.2019
„Ich bin wild entschlossen, Schostok im Wahlkampf verblassen zu lassen“: Marc Hansmann bei seiner Vorstellung am Freitagmittag. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Hannovers SPD hat sich erstaunlich schnell berappelt. Nur wenige Tage nach der Rücktrittsankündigung von Stefan Schostok präsentiert sie einen Nachfolgekandidaten für den scheidenden Oberbürgermeister – und zwar einen, der sich sehen lassen kann. Marc Hansmann bringt zehn Jahre Erfahrung als Kämmerer mit, aber auch solche aus der Wirtschaft, der Bundespolitik und aus seiner wissenschaftlichen Karriere – mit gerade 48 Jahren.

Zunächst Hannovers Kämmerer und Ordnungsdezernent, später an leitender Postion bei enercity – und nun als OB-Kandidat zurück in der Stadtpolitik: Bilder aus der Karriere von Marc Hansmann.

Er ist Hannoveraner, was zum Beispiel dazu führt, dass er Probleme junger Eltern beim Ergattern eines Kindergartenplatzes aus eigener Erfahrung kennt. Mit ihm setzt die SPD auf einen intelligenten, durchsetzungsstarken und mit allen Wassern der Kommunalpolitik gewaschenen Kandidaten – aber auch einen mitunter sprunghaften, dessen großes Selbstbewusstsein ihn hin und wieder aus der Kurve trägt. Trotzdem: Mit seiner Nominierung liefert sie der Konkurrenz eine starke Vorlage.

Ja, die Konkurrenz. Was macht die eigentlich?

Die wittert zunächst einmal eine einmalige Chance – und die Rahmenbedingungen geben Anlass dazu. Der Bundestrend spricht seit vielen Monaten gegen die SPD, dafür umso mehr für die Grünen. Und dann müssen sich die Sozialdemokraten, die seit dem Zweiten Weltkrieg stets das Stadtoberhaupt gestellt haben, auch noch mit den Nachwehen und der baldigen gerichtlichen Aufarbeitung der Rathausaffäre herumschlagen. In der hat nicht nur der Oberbürgermeister schlecht ausgesehen. Auch die Partei tat sich lange schwer damit, einen richtigen Umgang mit der komplizierten Situation zu finden – auch deshalb, weil Schostok selbst offenbar einige Exit-Strategien, die die Genossen an ihn herantrugen, verwarf.

Die Chance für CDU und Grüne ist also da. Und nun?

Die CDU hatte eigentlich gehofft, darauf möglichst bald eine hoffnungsfrohe Antwort geben zu können, nach Möglichkeit in Person der Landtagsabgeordneten Mareike Wulf als Kandidatin. Interessant wäre diese Variante allemal gewesen, nicht nur, weil es in Hannover Zeit für eine Oberbürgermeisterin wird. Die 40-jährige Wulf hat sich mit ihrer Eloquenz und Zugewandheit in ihrer Partei schon einen derart guten Namen gemacht, dass Landesparteichef Bernd Althusmann sie vor der Landtagswahl sogar als mögliche Kultusministerin in sein Schattenkabinett berief. Das Dumme ist nur: Die CDU hat sich von ihrer Wunschkandidatin eine Abfuhr eingehandelt. Dafür mag es vonseiten Wulfs gute Gründe geben – für die Partei ist das ein Problem. Schließlich hatte sie spätestens seit dem Amtsantritt Schostoks vor fünfeinhalb Jahren Zeit, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzubauen, der oder die am Ende auch mitmacht. Mareike Wulf hätte das sein sollen. Aber nun scheint sie andere Pläne zu haben. Und ihre Partei steht blank da.

Bei den Grünen schien eine Zeit lang einiges auf den früheren Ratsherrn und jetzigen Landtagsabgeordneten Belit Onay zuzulaufen, mittlerweile ist man sich aber nicht mehr so sicher. Hier gilt dasselbe wie bei der CDU: Nach der durchaus erfolgreichen Kandidatur des Rats-Routiniers Lothar Schlieckau vor fünfeinhalb Jahren wäre Gelegenheit gewesen, jemanden Hoffnungsvolles in die Startlöcher zu stellen. Doch nun schleichen die verschiedenen Aspiranten wohl noch ein paar Tage um die Startlinie herum.

Keine Frage: Die SPD hat sich nach zähen Monaten nun wieder gestrafft und der Konkurrenz eine ordentliche Hausaufgabe aufgegeben. Ministerpräsident Stephan Weil kommentierte die Personalie geradezu euphorisch – obwohl es um das Verhältnis zwischen ihm und seinem früheren Mitarbeiter nicht in allen Zeiten zum Besten stand. Für den Moment also kann die Partei sich entspannt zurücklehnen und zusehen, was die damit anfängt. Für die Genossen eine willkommene Atempause in schwierigen Zeiten.

Wer ist Marc Hansmann: Ein Porträt des Kandidaten

Lesen Sie hier ein Porträt des SPD-Kandidaten Marc Hansmann.

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