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Kommentar zur Kulturhauptstadt Hannover: Die Größte anzunehmende Dummheit

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00:16 25.06.2019
Hier jetzt alle? In Sachen Kulturhauptstadtbewerbung heißt es im Rathaus derzeit eher: Jeder für sich. Quelle: Stadt Hannover
Hannover

Manches, was rund um die hannoversche Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 geschieht, kommt einem so entsetzlich bekannt vor. Kaum irgendwo in Deutschland passiert eine Veranstaltung dieser Größenordnung einfach so die Gremien, ohne auf Herz und Nieren durchdiskutiert zu werden. Bei der Expo 2000 ging diese Diskussion an die Substanz – und wurde schließlich von einem Volksentscheid mit hauchdünner Mehrheit beendet. Verschiedene Städte im In- und Ausland haben wiederum erlebt, wie die eigene Bevölkerung hochfliegenden Olympia-Plänen per Votum den Garaus machte. Es ist gut, dass die Wege so sind. Wozu leben wir schließlich in einer Demokratie?

Verwaltung ein „Sanierungsfall“?

Allerdings ist manches an den Querelen um die Kulturhauptstadtbewerbung Hannovers anders als sonst. Zum Beispiel braucht die Stadtverwaltung weder Politik noch Bevölkerung, um die Bewerbung an die Grenze des Scheiterns zu bringen – sie schafft das ganz allein. Das wiederum liegt daran, dass die historische Bewerbungschance für die Stadt dummerweise mit einer historischen Unpässlichkeit ihrer Verwaltungsspitze zusammenfällt. Die war schon vor der Rathausaffäre nicht immer ganz trittfest. Dass der CDU-Oberbürgermeisterkandidat nun von einem „Riesendurcheinander“in der Verwaltung spricht mag nicht so überraschend sein. Leider nennen auch Menschen aus den obersten Etagen des Rathauses die Verwaltung mittlerweile einen „Sanierungsfall“. Nicht wegen der Tausenden Mitarbeiter an der Front, sondern wegen der zahllosen Unklarheiten an der Spitze.

Was die Kulturhauptstadt betrifft, so war sie lange vor allem durch eines gefährdet: durch die schlichte Abwesenheit eines Chefs oder einer Chefin. Denn die Gemengelage ist so: Die amtierende Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf versieht ordnungsgemäß ihren Job, wenn sie angesichts der Bewerbung einen höheren Kulturetat einfordert. Und Kämmerer Axel von der Ohe tut dasselbe, wenn er das Portemonnaie mit aller Macht zuhält. An einem Oberbürgermeister wäre es nun gewesen, rechtzeitig zwischen beiden Positionen zu vermitteln, die Politik in den Prozess einzubeziehen und die Förderer, etwa den Kulturhauptstadtbotschafter Igor Levit, bei Laune zu halten. All das aber ist bisher nicht geschehen, weil der alte Chef es nicht tat – und es derzeit keinen gibt. Man möchte gar nicht darüber nachdenken, was in dieser Stadt im Moment sonst noch so alles zur Entscheidung ansteht.

Hoffentlich ist der Streit jetzt beendet

Immerhin: Am Freitag hat der Kämmerer mit einem Kompromissvorschlag einen Schritt auf die Kulturszene zugemacht. Das allerdings geschah erst, als alle Beteiligten sich schon eine Woche lang über die Medien miteinander gestritten hatten. Hoffentlich ist der Streit jetzt beendet. Alles andere wäre eine unverzeihliche Dummheit.

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Von Felix Harbart

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