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20:15 29.03.2019
Tui-Chef Friedrich Joussen muss bei dem Reisekonzern erstmals Rückschläge hinnehmen.
Tui-Chef Friedrich Joussen muss bei dem Reisekonzern erstmals Rückschläge hinnehmen. Quelle: Peter Steffen/dpa
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Hannover

Als Friedrich Joussen als Tui-Chef anfing, war er nicht unbedingt von der Notwendigkeit großer eigener Fluggesellschaften überzeugt. Angesichts der Überkapazitäten im Markt schien es günstiger zu sein, Maschinen je nach Bedarf zu mieten – das hätte die Fixkosten senken und die Bilanz entlasten können. Allerdings wäre der Konzern dadurch in eine gefährliche Abhängigkeit geraten: Jede Chartergesellschaft weiß ja, dass ein Reiseveranstalter seine Gäste irgendwie ans Urlaubsziel bringen muss. So durften Tuifly und Co. Teil des Konzerns bleiben.

Es ist nicht ohne Ironie, dass sich Joussen nun in einer Lage wiederfindet, in der sich die Nachteile beider Szenarien verbinden: Die Tui ist dabei, für viel Geld die eigene Flotte zu erneuern – ausgerechnet die sparsamsten Maschinen kann sie aber wegen Zweifeln an deren Sicherheit nicht einsetzen. Zugleich muss der Konzern zu einer Zeit Ersatzflugzeuge chartern, in der die Nachfrage und die Preise hoch sind. Einen Ausweg aus dem Dilemma könnte nur Boeing weisen, noch gibt es jedoch keine Hinweise auf eine Aufhebung der Flugverbote für die Maschinen vom Typ 737 Max.

Diese Ungewissheit nagt auch am Nimbus des Tui-Chefs. Seit Joussen die Nachfolge von Michael Frenzel angetreten hat, ist er von Krisen verschont geblieben. Die Kombination von Geschick und Glück machte ihn in den Augen mancher Aktionäre zu „Friedrich dem Großen“. Schon nach der Gewinnwarnung im Februar wirkte Joussen zumindest eine Nummer kleiner, jetzt ist er auf dem Niveau seines Vorgängers angekommen: An der Börse war der Konzern am Freitag zwischenzeitlich erstmals weniger wert als bei seinem Amtsantritt im Februar 2013.

Von Jens Heitmann

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