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Kommentar zur Tui: Klasse statt Masse reicht nicht

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20:45 27.06.2019
Will 450 Stellen streichen: Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Wenn sich die Tui vor Investoren präsentiert, ist die Botschaft klar: Die Nummer eins der Reisebranche versteht sich als „Hotel- und Kreuzfahrtkonzern“ – der schnöde Verkauf von Pauschalurlauben soll dieses Hochglanzimage nicht länger beflecken. Das hat einen einfachen Grund: Mit den Ferienanlagen und den Flotten von Hapag-Lloyd und „Mein Schiff“ lässt sich wesentlich mehr Geld verdienen – 70 Prozent des Gewinns stammen inzwischen aus diesen beiden Bereichen.

Klasse statt Masse lautet die Devise – doch ganz ohne Volumen geht es eben auch nicht. Die Tui kann ihre Kreuzfahrer und die Kunden von Luxusclubs à la Robinson nur zu vertretbaren Kosten und mit der nötigen Frequenz ans Ziel bringen, wenn auch die übrigen Plätze in den Flugzeugen besetzt sind. Neben der Fünf-Sterne-Plus-Klientel muss der Konzern folglich auch die Bedürfnisse von Familien mit einem Drei-Sterne-Budget im Blick behalten. Ein Resort auf den Malediven macht sich gut im Quartalsbericht – für das Kerngeschäft aber bleibt Mallorca wichtig.

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Mit diesem Spagat tut sich nicht nur die Tui schwer. Alle etablierten Touristiker leiden darunter, dass die Margen bei Pauschalreisen schrumpfen. Neue Wettbewerber drängen in den Markt, die alten wollen nicht weichen – die Folgen sind Überkapazitäten, die auf die Preise drücken. Verteidigen können Tui und Co. ihre Marktanteile nur, wenn sie ähnlich effizient arbeiten wie die Konkurrenz. An der Automatisierung von Routinetätigkeiten führt deshalb kein Weg vorbei – das sehen auch die Mitarbeiter ein. Der Konzern ist nicht arm: Er kann sich einen fairen Abschied leisten.

Von Jens Heitmann

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