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Meinung Alle, aber bloß ich nicht?
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20:19 06.08.2018
Sollte Freiwilligenarbeit, wie sie dieser junge Mann an einer Grundschule mit Flüchtlingskindern leistet, zur Pflicht werden? Quelle: dpa
Hannover

Möglicherweise wird jetzt alles wieder sehr schnell gehen. Kaum hat die CDU-Generalsekretärin eine neue Dienstpflicht für junge Erwachsene ins Spiel gebracht, da greifen schon die Mechanismen des politisch-gesellschaftlichen Zerredens. Ein paar Tage, so heißt es in Berlin, dann sei die ja nur aus taktischen Erwägungen hervorgekramte Idee erledigt. Selbst, wenn nicht: Das sei nicht zu bezahlen. Und schließlich – hier folgt dann das vermeintliche Königsargument: So eine Dienstpflicht sei schon rechtlich undenkbar; ein Blick in Artikel 12 des Grundgesetzes reiche schon. Kurz: Nichts als Sommertheater einer angeschlagenen Kanzlerinnenpartei, die auf der Suche nach einem hinreichend konservativen Thema sei.

Na denn. Man kann es sich so einfach machen. Oder aber jenseits von Parteitaktik und juristischer Scheinweisheit genauer hinsehen und dabei Bedenkenswertes entdecken. Sicher, Deutschland ist auch ohne Dienstpflicht stolz auf fast 15 Millionen Ehrenamtliche – junge Erwachsene aber sind unter ihnen nicht besonders häufig anzutreffen. Bald 70 Prozent aller Vereine im Land nennen „Überalterung“ als ihr Problem. Beim Bundesfreiwilligendienst, der sich an Menschen aller Altersgruppen richtet, sind junge Erwachsene dabei, aber in der ganzen Republik waren hier Ende Juli nicht einmal 40.000 Menschen aktiv. Zum Vergleich: Das entspricht fast der Zahl der Abiturienten allein in Niedersachsen. Klagen über mangelnden Zusammenhalt in der Gesellschaft und ihre nachlassende Bindungskraft basieren also nicht nur auf gefühlten Werten. Es hat den Anschein, als gelte John F. Kennedys clevere Frage „Was kannst du für dein Land tun?“ immer öfter nur noch in ihrer Umkehrung. Staat und Gesellschaft sollen liefern, die Bürger (zumal die jüngeren) konsumieren.

Dienstpflicht als Orientierung

Gewiss kann eine Dienstpflicht allein das nicht ändern. Aber könnte sie nicht ein Beitrag zu einem neuen, für manche junge Erwachsene sogar überraschend positiven Blick auf die demokratische Gemeinschaft sein? Nicht als Rückkehr des dumpfen Dienstes beim Bund, der seine ja vor allem qualitativen Nachwuchsprobleme ohnehin anders lösen muss. Nicht als ausbeuterischer Markt für Billigjobber. Und auch nicht unbedingt als Lifestyle-Trip, der in erster Linie für die coole Bewerbungsvita angetreten wird. Sondern als eine intelligent und zeitgemäß aufgesetzte Orientierungsphase für junge Erwachsene. In einem klaren, jedoch nicht alles erdrückenden staatlichen Rahmen. Mit der Möglichkeit zur Wahl, aber eben auch deren Pflicht. Wer das will, wird sowohl finanziell als auch rechtlich Wege zur Umsetzung eines Dienstes finden. In einer Zeit, in der viele Jugendliche – gleich welcher Herkunft – vor allem wissen, was sie nicht wollen, lohnt es sich, darüber nachzudenken. Mindestens.

Von Hendrik Brandt

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