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Meinung Niedersachsen hat einiges aufzuholen
Nachrichten Meinung Niedersachsen hat einiges aufzuholen
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19:08 16.08.2018
Laptops oder Tablet-Computer sollen Pflicht an weiterführenden Schulen werden.
Laptops oder Tablet-Computer sollen Pflicht an weiterführenden Schulen werden. Quelle: dpa
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Hannover

Ein Unternehmer aus Wennigsen am Deister beschwert sich über seine langsame Internetanbindung. Der Medizintechnik-Konzern Otto Bock aus Südniedersachsen baut ein „Future Lab“ für 120 Mitarbeiter in Berlin. Hannovers erfolgreichstes Start-up im Bereich künstlicher Intelligenz zieht ebenfalls an die Spree. Drei Meldungen aus Niedersachsen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Doch mit etwas Abstand erkennt man ein Muster: Niedersachsen hat Nachholbedarf beim Thema Digitalisierung. Unternehmen werden gebremst, investieren woanders oder ziehen weg, weil hier kluge Köpfe und schnelle Leitungen fehlen.

Es ist deshalb richtig, dass Wirtschaftsminister Bernd Althusmann nun einen Masterplan für die Digitalisierung vorgelegt hat. Digitalisierung ist kein Hype. Sondern ein Prozess, der unsere Welt verändert, ob wir wollen oder nicht. Entweder, man gestaltet mit und profitiert davon – oder man lässt andere die Spielregeln schreiben, allen voran die Amazons und Googles dieser Welt.

Auf 120 Seiten erklärt die Landesregierung jetzt, wie sie den Wandel gestalten will. Das allein ist wichtig. Bislang hatte kaum jemand den Überblick über die Hundertschaften von alten und neuen Initiativen im Land. Für fast alle Landesprojekte nennt der Plan konkrete Maßnahmen, einen Zeitrahmen und – falls schon vorhanden – ein Budget. Das erleichtert der Politik, aber auch der Öffentlichkeit die Erfolgskontrolle. Insgesamt geht es immerhin um rund eine Milliarde Euro. Besonders viel Geld fließt in den Breitbandausbau, für den der Plan ehrgeizige Ziele und schlüssige Maßnahmen formuliert.

Eine Maßnahme soll indes überraschend günstig werden: Die Schulen will die Landesregierung offenbar im Hauruckverfahren digitalisieren. Laut Masterplan sollen die Eltern ihre Kinder mit „digitalen Endgeräten“ für den Unterricht ausstatten – also Laptops oder Tablets. Unüberlegter Technikeinsatz frisst jedoch Zeit und Nerven und verschlechtert den Unterricht. Wer Medienkompetenz oder Programmiersprachen vermitteln will, braucht nicht nur Tablets. Mindestens genauso wichtig sind die richtigen Anwendungen, eine professionelle Wartung und vor allem die richtigen, speziell ausgebildeten Lehrer. Diese Punkte erwähnt der Masterplan zwar, doch konkrete Maßnahmen und Budgets nennt er nicht.

Schwammig ist auch das Kapitel über die Hochschulen. Zusätzliche Digital-Professuren sollen kommen – unklar bleibt, wann genau und wie viele. Am stärksten enttäuscht aber der Abschnitt über die „Digitale Verwaltung“. Er umfasst gerade mal vier der rund 120 Seiten. Dabei geht es hier voraussichtlich um bis zu 200 Millionen Euro. Die Ansätze sind gut. Althusmann hat angekündigt, den Plan immer wieder zu aktualisieren. Das wird auch nötig sein.

Von Christian Wölbert