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Oberbürgermeisterwahl: Schüler in andere Viertel umverteilen? Grünen-Kandidat Onay hält nichts davon

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06:00 02.07.2019
An der Johannes-Kepler-Realschule in Ricklingen haben mehr als 90 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund – das Lernen werde dadurch massiv erschwert, beklagten Eltern der Schule vor zwei Jahren in einem offenen Brief. Quelle: Tim Schaarschmidt (Archiv)
Hannover

Die Zustände in Brennpunktschulen in Hannover werden zum Thema im Wahlkampf ums Oberbürgermeisteramt. Zentrale Frage dabei: Sollten Kinder und Jugendliche aus Schulen, in denen der Anteil von Migranten bei mehr als 80 Prozent liegt, in anderen Stadtteilen zur Schule gehen, um eine bessere soziale Durchmischung zu erreichen? Die OB-Kandidaten von SPD und CDU, Marc Hansmann und Eckhard Scholz, finden dieses Modell zumindest bedenkenswert – Belit Onay von den Grünen dagegen lehnt das sogenannte Busing (vom englischen Wort für Bus) jetzt aber im Gespräch mit der HAZ ab.

„Vielleicht sollten wir eine Debatte darüber führen, ob man nicht auch umverteilt“, hatte Hansmann im Juni im HAZ-Interview gesagt. „An einer Schule, in der ein großer Teil der Schüler kein Deutsch spricht, kann kein vernünftiger Unterricht stattfinden.“ Zumindest die Debatte darüber müsse geführt werden, sagt Hansmann. Der parteilose CDU-Kandidat Scholz hält die Idee vom „Busing“ nicht für abwegig. „Neue Mitbürger in Hannover müssen faire Startpunkte für ihre eigene Entwicklung haben“, sagte er seinerseits im Gespräch mit der HAZ. „Im Moment ist das nicht gewährleistet, also muss man nach einer Lösung suchen.“

„Aufwand wäre nicht zielführend“

Ablehnend reagiert dagegen Grünen-Kandidat Belit Onay. „Ich glaube zum einen, dass das rechtlich nicht ganz einfach ist. Welche Kinder sollen wohin, in welchem Austausch, nach welchen Kriterien?“, fragt der 38-Jährige und konstatiert. „Es wäre ein großer Aufwand, und ich glaube, er wäre nicht zielführend.“ Onay hält nichts davon, Kinder und Jugendliche vormittags aus ihrem Viertel herauszureißen. „Ich finde es schwierig, wenn Kinder am Nachmittag gar nicht mehr in dem Bereich sind, wo sie vormittags die Schule besucht haben“, sagt der Landtagsabgeordnete. „Stattdessen müssen wir darauf achten, dass die Sozialbindung von Wohnungen auch in bürgerlichen Vierteln nicht mehr und mehr wegfällt.“

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Hannover ein Ranking aller 57 hannoverscher Grundschulen erstellt, um den Bedarf an kommunalen Schulsozialarbeitern zu ermitteln. Ursache war unter anderem der offene Brief von Eltern der Grundschule Mühlenberg aus dem Jahr 2017, die ein „Klima der Verrohung und Gewalt“ an ihrer Schule und die hohe Zahl von Kindern mit fehlenden Deutschkenntnissen beklagten. Mehr als 80 Prozent der Schüler an der Grundschule haben einen Migrationshintergrund. Wenig später schrieben auch Eltern der Johannes-Kepler-Realschule in Ricklingen an Landtags- und Kommunalpolitiker und beklagten eine „untragbare“ Situation durch die hohe Zahl von Schülern ohne Deutschkenntnisse. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund an der Schule liege bei rund 90 Prozent, hieß es in dem Brief.

Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Belit Onay

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