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Meinung Hat VW wirklich verstanden, worum es jetzt geht?
Nachrichten Meinung Hat VW wirklich verstanden, worum es jetzt geht?
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02:15 24.02.2017
Von Hendrik Brandt
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Nachricht eins: Bei Volkswagen und Opel versprechen die aktuellen oder künftigen Besitzer, dass die Arbeitsplätze alles in allem nicht groß gefährdet sind. In Wolfsburg legen sie gleich noch eine Prämie oben drauf. Nachricht zwei: Im Stuttgarter Kessel dürfen auch erst wenige Jahre alte Dieselautos bald nicht mehr uneingeschränkt gefahren werden. Das sind Nachrichten eines Tages - und man muss nicht lang studiert haben, um zu erkennen, dass sie nicht zueinander passen. Auf der einen Seite versinkt die Automobilwelt, wie wir sie kennen - die Umweltdiskussion ist nur ein Beitrag dazu. Auf der anderen Seite erwecken Unternehmen nicht zuletzt unter dem Druck von Politik und Gewerkschaften den Eindruck, als werde man im Grunde so weitermachen können wie bisher.

Das grenzt an Täuschung. Weiter so wie bisher hieße etwa bei Volkswagen: Die IG Metall verhandelte Seit‘ an Seit‘ mit dem treuen Land Niedersachsen unter Stephan Weil erstmal mit der Konzernspitze darüber, was alles nicht geht. Allzu radikale Veränderungen, Arbeitsplatzabbau, Standortverlagerungen oder -schließungen und anderes mehr. Anschließend würde man sich dann möglicherweise bereitfinden, die Fragen der Digitalisierung und Elektrifizierung der Mobilität gemeinsam anzugehen. Schritt für Schritt. Und sofern nach dem aufgeflogenen Betrug an den Dieselkunden dafür noch hinreichend Geld zur Verfügung steht.

Das mag wie eine Karikatur klingen. Wer aber sieht, dass Volkswagen sich schon bei der Frage um die Weiterbeschäftigung von Leiharbeitern in absurden Ritualen wochenlang fast zerrieben hat, kommt ernstlich zu der Frage: Hat beim Weltunternehmen jeder verstanden, worum es jetzt geht? VW muss sich binnen weniger Jahre neu erfinden: als digitaler Mobilitätsanbieter mit neuen Produkten und veränderten Antrieben. Dazu braucht es natürlich viele erfahrene Köpfe und Hände - aber eben auch viele neue und andere. Gerade weil Volkswagen so groß und so wichtig für Niedersachsen und Deutschland ist, wird es gefährlich, wenn nur verschränkte Arme zu sehen sind. Und es hilft wenig, wenn Politiker wie Ministerpräsident Weil (SPD) oder Kanzleramtsminister Altmaier (CDU) den VW-Arbeitern abwechselnd suggerieren, es werde schon alles gut. Es ist eben längst nicht ausgemacht, dass beispielsweise Batterien für Elektroautos in Deutschland wettbewerbsgerecht zu bauen sind. Das entscheidet auch nicht die Politik oder eine Standort-Planungskonferenz mit dem Betriebsrat, sondern am Ende der Kunde, der sein E-Auto gut und günstig haben will. Weil er nämlich weiter in die Stadt fahren möchte - nicht nur in Stuttgart. Natürlich wissen das viele bei VW, auf allen Seiten. Aber noch handeln sie nicht so, dass die Nachrichten aus der Automobilwelt wieder zueinander passen.