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Meinung Ebola verlangt ein Umdenken
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21:19 07.10.2014
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Ebola in Europa? Als die Epidemie in Westafrika ausbrach, erschien die Viruskrankheit als Geißel der armen Staaten auf dem Schwarzen Kontinent. Ebola im Westen – das war bisher die Diskussion über Hilfslieferungen und das Versagen des politischen Systems. Das war auch die akute Hilfe in europäischen Krankenhäusern für Infizierte aus den Krisengebieten. Ebola dokumentierte auf makabere Weise eine Zweiklassenmedizin im Weltmaßstab. Schlechte Überlebenschancen für Afrikaner,  Behandlung auf Höchststandard in den Industrieländern.   

Die Übertragung der Krankheit in einer spanischen Klinik wirkt jetzt wie ein Menetekel. Wie kann das auf einer hoch technisierten Quarantänestation passieren? Die Umstände müssen penibel aufgeklärt werden. Schon aus Vorsorge: Eine hundertprozentige Abschottung gegen das Einschleppen von Erregern kann niemand garantieren. Doch für Panik gibt es keinen Anlass. Denn die Infizierung einer Krankenschwester in Madrid bedeutet noch lange keinen gefährlichen Ausbruch der Seuche in Europa. Ebola ist beherrschbar, wenn die medizintechnische Ausrüstung vorhanden ist, Sicherheitsregeln und Schutzmaßnahmen beachtet werden.

Hierzulande ist eine flächendeckende Ausbreitung kaum denkbar. Die westlichen Staaten haben hoch entwickelte Gesundheitssysteme, die eine rechtzeitige und wirkungsvolle Eindämmung der  heimtückischen Krankheit garantieren. Zudem ist das Ebola-Virus zwar extrem gefährlich, aber wenig infektiös. Wenn sich alle an die Regeln halten.

Auch in Afrika gibt es Länder, die die Seuche unter Kontrolle haben. Nigeria etwa kann auf ein vergleichsweise intaktes Gesundheitssystem zurückgreifen. In den betroffenen Staaten Westafrikas ist die Versorgungslage dagegen katastrophal. Deshalb sollte der spanische Fall Anlass zum Umdenken sein. Das „Immunsystem“ des Westens muss Afrika einbeziehen.

Am wichtigsten ist die Seuchenbekämpfung vor Ort. Deshalb sollten die Industrieländer über eine schnelle medizinische Eingreiftruppe im Dienst der WHO nachdenken. Länder wie Guinea oder Liberia müssen beim Aufbau von Versorgungsstrukturen unterstützt werden. Es rächt sich auch das Desinteresse des Westens an neuen Behandlungsmethoden: Die Erforschung von Impfstoffen und Medikamenten war für Pharmaunternehmen bisher nicht profitabel genug. Das Ebola-Desaster sollte einen Lernprozess anstoßen. Sonst werden die Risiken wachsen. Auch in Europa.

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