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Meinung Ein „Grexit“ wäre unbezahlbar
Nachrichten Meinung Ein „Grexit“ wäre unbezahlbar
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21:14 17.06.2015
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Schon 58 Prozent der Deutschen sind der Meinung, Griechenland solle doch die Euro-Zone verlassen. Zu nervig sind die Kapriolen der Polit-Anfänger in Athen, zu anstrengend vielleicht auch die ständigen Berichte über endlose ergebnislose Verhandlungen. Nicht nur Bürger, auch Politiker in Brüssel und Berlin scheinen die Geduld zu verlieren. Der „Grexit“ habe seinen Schrecken verloren, heißt es keck. Der Grund könnte sein, dass niemand weiß, wie groß die Katastrophe wirklich sein wird.

„Grexit“-Befürworter verweisen auf die Euro-Sicherungssysteme, die gut funktionieren. Die EZB mit ihren milliardenschweren Anleihe-Kaufprogrammen werde dafür sorgen, dass nach Griechenland nicht auch noch Spanien oder Italien ins Wanken geraten. Die deutsche Wirtschaft wachse ohnehin so robust, dass der Kollaps eines Landes mit 10,8 Millionen Einwohnern kaum eine Schramme in der Bilanz hinterlassen werde.

Ausgeblendet wird das drohende Desaster in Griechenland. Die Rückkehr zur Drachme würde eine gewaltige Inflation auslösen, Importe würden massiv teurer werden – Griechenland ist besonders von der Einfuhr von Lebensmitteln und Medikamenten abhängig. Die Wirtschaft würde einbrechen, die Arbeitslosigkeit steigen, das Land verarmen.

Die Kosten eines „Grexits“ wären immens: Denn der Staat wäre wohl nie mehr in der Lage, seine Euro-Schulden zu bezahlen. Euro-Staaten und EZB müssten Kredite im Wert von zig Milliarden Euro abschreiben. Zudem würde die EU sicher teure Nothilfeprogramme für die griechische Bevölkerung auflegen müssen. Von den politischen Kosten ganz zu schweigen: Erstmals wäre der Beweis erbracht, dass die europäische Integration umkehrbar ist. Nicht nur die Währungsunion, auch die Idee eines geeinten, friedlichen Europas würde bröckeln. Es geht derzeit auch um Werte, die nicht einfach in Euro umzurechnen sind.

Die Verhandlungen zwischen Geldgebern und griechischer Regierung sind nicht festgefahren. Beide Seiten trennt jetzt nur noch ein Einsparziel von jährlich 2 Milliarden Euro. Und alle sind sich einig, dass im Grunde niemand den Ausstieg Griechenlands will. Das heißt: Athen muss jetzt liefern, Reformen auf den Weg bringen, Steuern eintreiben, Kosten senken. Und sich an die üblichen Spielregeln innerhalb der EU halten. Die Geldgeber müssen zugleich alle Möglichkeiten nutzen, Griechenland vor der Pleite zu retten – das liegt politisch und finanziell in ihrem ureigensten Interesse.

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