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Meinung „Gotteskrieger“ ohne Grenzen
Nachrichten Meinung „Gotteskrieger“ ohne Grenzen
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00:19 15.06.2014
Von Susanne Iden
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Als die US-Truppen endlich aus dem Irak abgezogen waren, pries US-Präsident Obama die eigene Leistung: Amerika hinterlasse einen „souveränen, stabilen und selbstständigen Staat“.

Jetzt wird dieser Staat von einer islamistischen Armee überrollt. Er hat ihr wenigen entgegenzusetzen. Er ist ein schwacher, von religiösen Rivalitäten zerrissener Staat. Die „Gotteskrieger“, die unter dem Ruf und Namen Isis – „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ – Stadt um Stadt besetzen, finden Helfer unter irakischen Sunniten. Ihr Erfolg scheint den Zweiflern von 2003 recht zu geben: Die Invasion des Iraks mag den Diktator Saddam hinweggefegt haben. Doch sie hat neue Gewalt gesät.

Die Dschihadisten der Isis kommen aus Syrien. Dort tobt ein mörderischer Bürgerkrieg. Die USA wollen sich nicht einmischen. Europa erst recht nicht. Inmitten der syrischen Apokalypse hat der Terrorführer Abu Bakr al-Baghdadi eine Tausende Mann starke Armee von Dschihadisten gestählt. Und die Warner fühlen sich bestätigt: Wenn Syrien sich selbst überlassen bleibt, nimmt eine humanitäre Katastrophe ihren Lauf – und ein zweites Afghanistan wächst heran, ein Trainingsfeld für Terroristen.

Ist womöglich beides gleichermaßen verheerend, das Einmischen wie das Unterlassen? Wenn das eine wie das andere nicht zu Ende gedacht wird, ja. Schlimmer aber ist: Der Westen hat seine eigene Rolle gegenüber dem globalen Dschihadismus noch nicht gefunden. Dabei ist das Machtstreben der „Gotteskrieger“ real. Und es ist so stark wie nie zuvor – in Pakistan und Nigeria, in Mali und Libyen.

Niemand aber ist so stark wie Isis. Wer steckt wirklich hinter dieser Armee, wer finanziert und lenkt sie? Diesen Verbindungen gilt es nachzuforschen. Bislang konzentriert sich die Ursachensuche auf die chancenlosen jungen Männer in schwachen Staaten. Doch der Dschihadismus speist sich nicht allein aus ihrem Zorn. Sind es – wie bei Al Qaida – reiche Privatleute aus den fundamentalistischen Golfstaaten, die nicht nur Öl, sondern auch Ideologien und Geld exportieren?

Wenn es so ist, müsste es ein lukratives Geflecht politischer und wirtschaftlicher Beziehungen zum Einsturz bringen. Rührt keiner daran, weil der Preis zu hoch wäre für einen Kampf, der nicht bei uns zu Hause stattfindet?
In der Isis des al–Baghdadi kämpfen  Hunderte junger Europäer, Briten, Deutsche, Franzosen. Sie haben alle europäische Pässe. Sie sind frei zu reisen. Eine düstere Aussicht? Absolut.

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