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Meinung Großstädte 
ganz in Rot
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ganz in Rot
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20:59 16.06.2014
Von Klaus Wallbaum
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Zwei Wahlsieger, eine Gemeinsamkeit. Die beiden neuen sozialdemokratischen Oberbürgermeister von Düsseldorf und Braunschweig, die am Sonntag jeweils mit überragender Mehrheit gewählt worden sind, verkörpern einen ähnlichen Politikertypus: Sie wirken weltoffen und tolerant, können auf Menschen zugehen und sind nicht so einfach in eine Schublade zu stecken. Braunschweigs OB Ulrich Markurth ist engagierter Sozialpolitiker, der großen Wert auf solide Stadtfinanzen legt. Düsseldorfs OB Thomas Geisel war erst Parteimitarbeiter, später Manager der Ruhrgas AG. Er hat ein Profil als Sozial- und eines als Wirtschaftspolitiker.

Außerdem haben beide jeweils eine lange CDU-Herrschaft in ihren Rathäusern beendet. Die Sozialdemokraten bewiesen mit Markurth und Geisel einmal mehr ihr Händchen für eine geschickte Kandidatenauswahl in Großstädten. Umgekehrt erlebt die CDU ein Debakel nach dem anderen. Hamburg kippte schon 2011 in Richtung SPD, es folgten Frankfurt, Wiesbaden, Duisburg, Karlsruhe, Stuttgart und Wolfsburg und nun noch Düsseldorf und Braunschweig, im Herbst vielleicht noch Oldenburg. Als einzige Landeshauptstadt wird Dresden von einer CDU-Oberbürgermeisterin geführt. Sonst sieht man fast überall Rot, wenn man Großstadt-Rathäuser betritt.

Der Blick auf die bundesdeutsche Geschichte zeigt, dass es die Christdemokraten in den großen Städten immer schon schwerer hatten. Wenn es dort starke christdemokratische Oberbürgermeister gab, dann zeichneten sie sich meistens durch große Liberalität aus (Manfred Rommel in Stuttgart, Ole von Beust in Hamburg, Petra Roth in Frankfurt, Richard von Weizsäcker in Berlin). In manchen Fällen waren sie auch als Sanierer willkommen und wurden für konsequente Sparpolitik geachtet, wie etwa Gert Hoffmann 2001 in Braunschweig. Die Großstädte, die in jüngster Zeit von einem CDU-OB zu einem SPD-OB gewechselt sind, waren meistens wirtschaftlich gut geordnet. Die Wähler hatten hier wohl stärker das Bedürfnis nach einem Stadtoberhaupt, das die Breite der Politik am besten repräsentieren kann. Die SPD-Bewerber versprachen dies am besten. Ihre CDU-Gegenkandidaten konzentrierten ihren Blick vor allem auf geordnete Stadtfinanzen.

Das ist die Widersprüchlichkeit der CDU: Einerseits hat Angela Merkel die Partei weit nach links geöffnet – wenn es etwa um Gleichberechtigung geht, um Wehrpflicht oder Atomkraft. Andererseits fällt neben Merkel in der CDU kein liberaler Geist auf. Wer heute eine Großstadt führt, muss auch mit der bunten und schrillen Kultur dort leben können, muss pragmatisch etwa mit dem Drogenproblem umgehen und mit der grün-alternativen Szene gut zurechtkommen können. Eine schüchterne Hoffnung bleibt der Partei: In einigen mittleren Städten immerhin hat die CDU am Sonntag Erfolge erzielt – dort, wo ihre Kandidaten die Unterstützung der lokalen Parteigliederung der Grünen erfuhren.

18.06.2014
Felix Harbart 18.06.2014