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Meinung Keine rote Linie
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20:23 27.03.2014
Von Stefan Koch
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 Hat sich wenigstens Papst Franziskus bei Barack Obama für dessen Außenpolitik bedankt? Bei internationalen Beziehungen setzt der US-Präsident auf Kooperation und sucht das Gespräch auf Augenhöhe. Selbst im Umgang mit autoritären Machthabern und Diktatoren ist der mächtigste Mann der Welt eher auf Ausgleich bedacht als auf Konfrontation. Der Friedensnobelpreisträger bemüht sich redlich, eine neue Form von Multilateralismus zu proben. Nach sechs Jahren im Amt muss er sich allerdings eingestehen, dass die Theorie stimmen mag – nicht aber die Praxis.

Die amerikanischen Wähler haben ihr Urteil über Obamas Auftreten auf dem diplomatischen Parkett längst gefällt: Dem einstigen Hoffnungsträger stimmen in aktuellen Umfragen nur noch 36 Prozent seiner Landsleute zu. Selbst seine umstrittene Gesundheitsreform und seine kostenintensive Wirtschaftspolitik schneiden besser ab. Ganz zu schweigen von seinen Vorgängern: Der so umstrittene George W. Bush erhielt – zumindest in seiner ersten Amtszeit – weitaus bessere Werte als Obama. Und Bill Clinton, George Bush senior und Ronald Reagan wurden ohnehin für ihre auswärtigen Aktionen gefeiert.

Auf den ersten Blick ist diese Diskrepanz nicht leicht zu verstehen. Der 44. Präsident beendete den Irak-Einsatz, zieht die Truppen aus Afghanistan ab und fährt im Streit mit den Machthabern in Teheran und Damaskus einen gemäßigten Kurs. Die Formulierung einer „roten Linie“ erscheint ihm mittlerweile als Fehler. Und selbst gegenüber dem Krim-Eroberer Wladimir Putin ist er von ernsthaften Drohungen weit entfernt.

Es ist paradox: Obwohl der Chef des Weißen Hauses insbesondere für seine Ankündigung gewählt wurde, Amerikas Rolle auf der Weltbühne zurückzunehmen, fehlt ihm mittlerweile die Anhängerschaft im eigenen Land. Die Bilanz des guten Willens fällt auch tatsächlich bitter aus. Im Iran sieht es bisher nicht danach aus, als ob sich die Religionsführer von ihrem Atomforschungsprogramm ernsthaft verabschieden wollten. Noch schlechter steht es um Syrien. Und die Ukraine? Obwohl Moskau bei den Vereinten Nationen stets das Prinzip der „Nichteinmischung in innere Angelegenheiten“ vertritt, gelten vor seiner eigenen Haustür andere Spielregeln. Im Georgien-Krieg vor sechs Jahren beschränkte sich die russische Führung noch darauf, Südossetien und Abchasien militärisch zu besetzen, aber formal als unabhängig zu bezeichnen. Nicht so auf der Krim. Dass sich Putin auf der Halbinsel jegliche diplomatische Schönfärberei spart und der Macht des Stärkeren freien Lauf lässt, ist die düstere Seite der Multipolarität.

Nach den Dramen der vergangenen Wochen beginnt in Washington allerdings ein Umdenken. Es wächst die Erkenntnis, dass die US-Regierung an ihrer Führungsrolle zurzeit nicht vorbeikommt. Allerdings mit einem feinen Unterschied zu früher: Obama ist nicht bereit, den Preis für die Freiheit zum größten Teil allein zu begleichen. Wenn die Rechnung für Europas Sicherheit wieder steigt, sollen sich auch die Nutznießer stärker beteiligen.

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