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Meinung Und jetzt: Die Welt meistern
Nachrichten Meinung Und jetzt: Die Welt meistern
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22:26 15.07.2014
Von Matthias Koch
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Der WM-Pokal aus Brasilien blitzt in der Sonne vor dem Brandenburger Tor. Ganz Deutschland ist goldig, ganz Deutschland lächelt. Und das Schönste ist: Die Welt lächelt zurück.

Nie zuvor ist ein Erfolg der Deutschen rund um die Erde mit so viel Sympathie begleitet worden. Was macht Deutschlands Regierung jetzt aus dieser idealen Situation? Dumm wäre es, nur seufzend dem Glanz der WM nachzutrauern und die Rückkehr des missliebigen Alltags zu beklagen: mit einem neuen Nahostkrieg, der Affäre um US-Spione, der Krise in der Ukraine. Gerade jetzt sollte Deutschland alle Kraft als europäische Mittelmacht zusammennehmen und versuchen, so gut es geht die weltweiten neuen Herausforderungen zu meistern.

Hohes Ansehen, das weiß jeder Diplomat, mehrt die Macht. Umgekehrt zahlt man für geringes Ansehen politisch einen Preis: Man muss anderen entgegenkommen, um es aufzubessern. Hier liegt ein Hebel, mit dem Berlin arbeiten kann.
Wladimir Putin zum Beispiel muss daran interessiert sein, bis zur Fußball-WM 2018 in Russland die massiv eingebrochenen Sympathiewerte seines Landes wieder aufzubessern. Dass Putin beim Finale in Rio mit Angela Merkel zusammentraf, ist ein gutes Zeichen. Lag darin schon der Anfang vom Ende der gefährlichen Krise in der Ukraine?

Auch die USA blicken auf heillos fallende Sympathiewerte. Die Bitte Merkels um Abreise des „station chiefs“ der US-Geheimdienste aus Berlin markiert sogar einen Tiefpunkt in den Beziehungen. Zugleich gibt die Popularität Deutschlands, Pech für Barack Obama, der internen Debatte in den USA neuen Schub: Warum eigentlich spionieren wir so tolle Freunde wie die Deutschen aus?

Die europäische Integration gibt Deutschland mehr Einfluss denn je. Zunehmend gerät für Mächte außerhalb der EU der Zugang zum Markt für 500 Millionen Europäer in den Blick. Glauben die USA, sie könnten ohne Datenschutzregeln eine Freihandelszone bekommen? Bildet sich Putin ein, er könne russische Macht und Herrlichkeit noch im 21. Jahrhundert allein auf jahrmillionenalte fossile Brennstoffe stützen?

Berlin darf getrost eine etwas selbstbewusstere Außenpolitik wagen. Der dazu nötige Teamgeist unter den regierenden Parteien in Berlin müsste inzwischen vorhanden sein. Die CDU ist von den USA, die SPD von Russland schwer enttäuscht. In beiden Parteien hat eine neue Illusionslosigkeit Einzug gehalten; das ist eine gute Ausgangslage, um der deutschen Außenpolitik gemeinsam neue Ziele zu setzen.

In einem ersten Schritt muss Berlin Moskau und Washington dazu bewegen, in der Schaffung von Problemen nachzulassen und sich der Lösung von Problemen zuzuwenden, Nahost, Syrien und Islamismus vorneweg. Schon mit einer solchen Neuorientierung, die aber auch wirklich dringend ist, wäre sehr viel erreicht.

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