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Meinung Wenn der Brummi Tempo macht
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22:09 24.09.2014
Von Stefan Winter
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Gelegentlich müssen Automanager auf Nutzfahrzeug umschulen. Sie tun es meist mit eher pflichtschuldiger Begeisterung. Bei der Arbeit folgt dann allerdings verlässlich das Aha-Erlebnis. Dann berichten sie von Trucker-Freuden auf dem Bock, von Hightech auf Leiterrahmen und von den Kunden, die mindestens so viel vom Produkt verstehen wie die Verkäufer. Ergonomisch ausgefeilte Fahrerkabinen, aufwendige Abgasreinigung, GPS-Ortung – was heute für den Gütertransport auf die Räder gestellt wird, ist mit „Brummi“ nur unzureichend beschrieben. Besichtigen kann man das in den nächsten Tagen wieder auf der hannoverschen IAA Nutzfahrzeuge.

Im Gegensatz zum Pkw bringt Begeisterung in diesem Metier allerdings keinen Umsatz. Die Kunden kalkulieren kühl Kosten und Nutzen ihres Arbeitsgeräts, und im Moment lässt sie das Ergebnis oft zögern. Wer in Europa einen Lastwagen braucht, hat Ende vergangenen Jahres schnell noch ein Euro-V-Modell gekauft, bevor die schärfere Abgasnorm Euro VI in Kraft trat und die Fahrzeuge teurer machte. In Südamerika und Osteuropa ist die Nachfrage eingeknickt, in den USA und China wächst sie, in der EU verkaufen sich leichte Transporter bisher noch gut, schwere Lkw nur mittelmäßig – die Messeaussteller kommen mit gemischten Gefühlen.

Umso wichtiger wird es sein, dass sie ihre Kunden jenseits von Konjunkturprognosen vom Wert ihrer Innovationen überzeugen. Die mittlerweile sechste europäische Abgasnorm hat den Schadstoffausstoß auf ein Niveau gedrückt, das man sich vor zehn Jahren kaum vorstellen konnte. Jetzt ist die Verbrauchsreduzierung an der Reihe – durch viel Feinarbeit und durch die Forcierung alternativer Antriebe vom Elektromotor über Hybrid bis zum Gas. Der Druck der kostenbewussten Kundschaft ist hier größer als bei Personenwagen, und so kann sich die Branche heute schon für den „Ein-Liter-Truck“ feiern: ein Liter Diesel pro Tonne Nutzlast auf 100 Kilometer. Davon träumen Pkw-Fahrer.

Das zweite große Thema der Messe werden digitale Vernetzung und Fahrer­assistenzsysteme sein, und auch die sind im Nutzfahrzeug aus ganz praktischen Gründen teilweise weiter gediehen als im Personenwagen. Im Lkw-Geschäft muss jede Innovation einen emotionslosen Faktencheck überstehen: Was kostet das, was bringt es? Haltbarkeit, passende Transportkapazität, niedrige Gesamtkosten und Sicherheit werden bezahlt. Ein wenig von dieser Rationalität würde man sich manchmal im Pkw-Markt wünschen.

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