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Meinung Wenzels Wende
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21:58 22.06.2014
Von Michael B. Berger
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Am Freitagabend herrschte im hannoverschen Umweltministerium reges Treiben. Kurz vor Mitternacht dämmerte dem niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel, dass er jetzt handeln muss. Denn dem Land drohte erheblicher Ärger: Der Energiekonzern e.on hatte die Gerichte angerufen, damit der Atommeiler Grohnde wieder ans Netz kann. Minister Wenzel zog seinen Einspruch dagegen zurück. Der Minister hatte gerade eben noch die Kurve gekriegt.

Wenzels Kehrtwende war ohne Alternative. Denn auch ein grüner Umweltminister kann nicht einfach das Wiederanfahren eines Reaktors verhindern, wenn Materialprüfer, der TÜV Nord und der Germanische Loyd versichern, dass wieder alles in Ordnung ist. Das hatten sie bereits Anfang der vergangenen Woche getan – bis ein ominöser Brief auf dem Tisch des Umweltministers landete. Ein Atomkraftgegner aus Westfalen behauptete, bei den Arbeiten im Kraftwerk sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Belege gab es kaum, der Hinweisgeber berief sich sogar nur auf eine anonyme Quelle. Doch Wenzel ließ die Alarmglocken läuten, schaltete die Staatsanwaltschaft ein, die binnen Tagesfrist feststellte, dass sie kein Ermittlungsverfahren nach Paragraf 312 des Strafgesetzbuches – fehlerhafte Herstellung einer kerntechnischen Anlage – einleiten müsse. Wenn man so will, hat die Staatsanwaltschaft Hannover mit ihrer überraschend schnellen Vorermittlung der niedersächsischen Landesregierung einen Riesenärger erspart.

Denn in Niedersachsen herrschen nicht Zustände wie in der Türkei oder in China, wo die Regierung einfach mal eben das Internet abstellen kann, wenn ihr irgendetwas nicht passt. Dass dem Grünen Wenzel, der kein schneller Brüter, sondern ein eher nachdenklicher Typ ist, die Kernenergie suspekt ist, heißt noch lange nicht, dass er eine schnellere Abschaltung Grohndes auf dem Dienstweg erreichen kann. Auch wenn seine Parteifreunde ihm dies nahelegen. Und auch wenn die Kernenergie in der breiten Bevölkerung mit immenser Skepsis betrachtet wird, weil die meisten Menschen einfach nicht verstehen, was in den Meilern vor sich geht – und nicht erst seit Fukushima das Schlimmste befürchten.

Der Konzern e.on, ohnehin vorsichtig geworden durch das grassierende Misstrauen, hat gestern vorgerechnet, wie viel ihn die umfangreichen Modernisierungsarbeiten gekostet haben, die das Unternehmen in den zwei Monaten Stillstand am Kraftwerk Grohnde leistete – immerhin 63 Millionen Euro. Das ist mehr als der Etat einer kleinen Universität. Und der Konzern hat betont, dass sich in den 29 Betriebsjahren nicht ein einziger meldepflichtiger „Störfall“ ereignet habe, während die kernkraftkritische Öffentlichkeit schon von einem „Pannenreaktor“ spricht.

Hoffen wir, dass es nie zu einer wirklich gravierenden Panne kommt.

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