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Meinung Wulff und seine Einsamkeit
Nachrichten Meinung Wulff und seine Einsamkeit
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00:20 12.06.2014
Von Klaus Wallbaum

Je höher man kommt, so lautet eine alte Politikerweisheit, desto dünner wird die Luft. Christian Wulff war ganz oben, er war als Bundespräsident die Nummer eins im Staat. Dann kam ein Sturz, wie ihn Deutschland nie erlebt hat: Aus dem Staatsoberhaupt wurde ein Angeklagter im Korruptionsprozess. Zwar sprach der Richter in Hannover ihn frei, aber richtig erholt hat sich Wulff von dieser Achterbahnfahrt nicht.

„Ganz oben, ganz unten“ lautet der Titel des Buches, das Wulff heute in Berlin vorgestellt hat. Darin will er das Geschehen der vergangenen Jahre aufarbeiten. Wird es danach für Wulff, der einst auf der Beliebtheitsskala ganz oben stand, wieder aufwärts gehen? In einem Punkt gehen die Deutschen mit ihm mit: Viele teilen seine Kritik an den Medien. Tatsächlich wurden manche Punkte aufgebauscht, in Zeitungen, Magazinen und Fernsehsendungen überspitzt oder sachlich ungenau dargestellt.

Dennoch sind Wulffs Aussichten, jetzt nach ganz oben zurückzukehren, gering. Der Verlag trommelt, Wulff werde schildern, „wie es sich anfühlt, massiven Angriffen ausgesetzt zu sein“. Da schwingt der Vorwurf mit, dass viel von der Kritik an ihm unberechtigt gewesen sei. Doch bestimmte Fehler, die Wulff gemacht hat, lassen sich auch im Nachhinein nicht wegdiskutieren.

Ein Beispiel: Statt im Landtag offen und ehrlich einzuräumen, einen Hauskredit von seinem alten Freund Egon Geerkens erhalten zu haben, stritt Wulff dies ab – da das Darlehen ja von dessen Frau Edith unterschrieben worden war. Knapp an der Wahrheit vorbei ist auch gelogen, sagt der Volksmund.

Das Publikum verlor damals das Vertrauen in Wulff. Warum ließ er sich in Hotels einladen? Warum nahm er zweifelhafte Upgrades in Anspruch? Wie kam er darauf, noch als Bundespräsident in der Villa eines befreundeten Multimillionärs Urlaub zu machen? Wulff selbst hatte auf Landesebene zu Gesetzen beigetragen, die bei Beamten schon den bösen Schein von zu großer Nähe zu Firmen verhindern sollen. Jetzt bewegte er sich selbst von Grauzone zu Grauzone.

Der schlimmste Effekt dieses Verhaltens lag darin, dass Wulff immer einsamer wurde. Niemand von Gewicht hat ihn in seiner schwächsten Phase verteidigt, nicht in der Bundespartei und auch nicht in seiner Niedersachsen-CDU. Dabei gehörte er zu den vier erfolgreichsten der bislang elf niedersächsischen Ministerpräsidenten. Auch als Bundespräsident hat er gute Ansätze entwickelt, etwa im Verhältnis zu Israel, Polen und der Türkei.

Wulff muss nicht gleich wieder nach oben. Es würde ihm schon helfen, seine Einsamkeit zu überwinden. Das wird nicht gehen, wenn er nun nach Schuldigen sucht oder glaubt, diese gefunden zu haben. Legenden helfen niemandem, zuallerletzt Wulff selbst. Er wird das Geschehene akzeptieren und unbelastet einen Neuanfang beginnen müssen

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