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Meinung Anders trauern
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23:09 01.08.2010
Von Heinrich Thies
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Dass wesentlich weniger Menschen als erwartet die Trauerfeier vor den Duisburger Großbildleinwänden verfolgt haben, darf nicht als Gleichgültigkeit verstanden werden. Nach der Tragödie bei der Loveparade haben sich die meisten Menschen offenbar dafür entschieden, die Trauerfeier lieber am Fernsehgerät in den eigenen vier Wänden zu verfolgen, als an einer Großveranstaltung teilzunehmen. Das ist verständlich.

Viele Duisburger aber haben in den vergangenen Tagen auch ganz eigene Wege gefunden, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. Die Unglücksstelle ist zu einem Wallfahrtsort geworden, jener Tunnel mit seinem Lichtermeer zu einer Kathedrale des Volkes. Die stille Andacht am Ort der Katastrophe hilft offenbar, die furchtbaren Szenen zu verarbeiten, die sich hier ereignet haben.

Zur Trauer gesellt sich bei vielen aber eben auch die Wut. Und dieses Empfindungsgemisch treibt die Menschen nicht in die Kirchen, sondern auf die Straße. Ein Trauermarsch folgt dieser Tage in Duisburg auf den nächsten – Aufmärsche, die Demonstration und Prozession zugleich sind. Die Teilnehmer verbindet nicht nur der Wunsch, gemeinsam zu trauern, sondern auch das Bestreben, aller Welt zu zeigen, dass Duisburg eben keine Stadt ist, in der man nach einem für die Verwaltung beschämenden Unglück den Kopf in den Sand steckt. Eine Trauerkultur, die höchsten Respekt verdient.

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