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Meinung Dany Schrader über den Fleischkonsum
Nachrichten Meinung Dany Schrader über den Fleischkonsum
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21:13 25.01.2013
Von Dany Schrader
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Nie war die Lust der Deutschen auf Fleisch größer als heute. Mit einem jährlichen Verzehr von rund 60 Kilogramm essen wir doppelt so viel Fleisch wie noch 1970. Im Laufe eines Menschenlebens sind das in der Summe beachtliche 1094 Tiere: 4 Rinder, 4 Schafe, 12 Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner. Mag die Zahl der überzeugten Vegetarier auch stetig wachsen - der Mehrheit der Deutschen geht es sozusagen noch immer um die Wurst.

Wir lieben das Fleisch,...

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Wirklich etwas wert ist den Verbrauchern das Steak auf dem Tisch allerdings nicht. Bei allem Wissen um die großen Probleme der Massentierhaltung muss Fleisch hierzulande vor allem eines sein: billig. Im Grunde ist es ja auch zu begrüßen, dass das einstige Luxusgut längst allen zugänglich ist. Und es ist auch zu verstehen, dass bei 15 Euro für ein Suppenhuhn aus ökologischer Landwirtschaft sogar für viele Befürworter von Bio und Qualität der Spaß aufhört. Im Ergebnis aber greifen beim Fleisch eben die allermeisten Kunden noch immer in die Truhe des Supermarkts.

Das spiegelt sich auch in der Landwirtschaft: Der Anteil von Fleisch aus ökologischer Erzeugung liegt bei gerade einmal sechs Prozent. Dabei hat auch die konventionelle Landwirtschaft längst ihre Sorgen. Die Erzeuger mästen bei sinkenden Fleischpreisen bisweilen zum Nulltarif. Der Erlös ist oft so gering, dass sie die Rechnung unter Zehntausenden Hühnern, Schweinen oder Rindern gar nicht erst aufmachen.

Gut 13 Prozent der Wähler in Niedersachsen haben am Sonntag mit den Grünen auch eine „Agrarreform“ gewählt. Mal abgesehen von der Frage, was sich hier in einem Bundesland überhaupt ändern ließe - würde damit wirklich etwas besser? Auf kurze Sicht kaum. Vielmehr könnte sie die Bauern nach den bisherigen Grundsätzen der Branche schnell aus dem Spiel werfen. Erhöhte Mindestanforderungen bei Tierhaltung, Stallgröße und Brandschutz lassen die Kosten der Erzeuger steigen - dann wären die niedersächsischen Fleischhersteller auf dem globalen Markt nicht mehr konkurrenzfähig. Was in solchen Fällen passiert, hat die Umsetzung der EU-Richtlinien für die Erzeugung von Eiern jüngst gezeigt: Seit deutsche Landwirte die Käfiggrößen und Produktionsweisen dem Tierschutz und damit auch ihre Preise angepasst haben, kaufen Händler Billigeier aus dem Ausland zu, um jene Kunden zu bedienen, denen die Hühner wurscht sind.

Dennoch: Der Teufelskreis aus Massenproduktion und Tonnen von Lebensmitteln, die jährlich auf dem Müll landen, wird durchbrochen werden müssen. Der massenhafte Fleischkonsum ist ein Problem für die Umwelt. Treibhausgase, Antibiotika-Resistenzen, der Welthunger und die folgenreiche Ausbreitung von Monokulturen sind nur einige Punkte, die damit in Verbindung stehen.

Doch sind es gerade Experten auf dem Gebiet der ökologischen Landwirtschaft, die vor einem zu schnellen Umschalten warnen. Die Riesenmaschine der Lebensmittelproduktion kann nicht einfach so gestoppt werden. Schon jetzt reicht beispielsweise die weltweit erzeugte Menge an ökologischem Tierfutter nicht aus, um auch alle Biohöfe damit zu versorgen. Aus diesem Grund lassen sogar strenge Erzeuger anteilig noch immer konventionelles Futter zu.

...aber es ist uns nichts wert

Auch die Verbraucher können nur ansatzweise den Regeln eines globalisierten Marktes entgegenwirken. Allerdings nützt es nichts, sich auf das ständige „Man müsste mal, wenn man nur könnte“ zurückzuziehen. Der jüngste, oft den gut verdienenden Lifestyle-Ökos der Mittelschicht zugeschriebene Bioboom hat doch gezeigt, dass es durchaus Möglichkeiten gibt. Ihm ist zu verdanken, dass einige Lebensmittelkonzerne eingelenkt haben. In ihren Supermärkten soll es nun nicht nur Produkte mit dem neuen Tierschutzsiegel für artgerechte Haltung geben. Auch Fleisch aus streng ökologischer Erzeugung liegt neuerdings immer öfter neben Ware aus Massenproduktion. Man muss nur mal zugreifen.

Immerhin ein Anfang wäre auch der Blick in Großmutters Hauswirtschaftsbuch. Darin ist nicht nur nachzulesen, wie ein guter Schweinebraten gelingt, sondern auch, dass Fleisch höchstens ein- bis zweimal in der Woche auf den Tisch kam. Wer das einmal durchspielt, merkt schnell: Sparen und Ernährung mit wertvollem Fleisch muss kein Widerspruch sein.

Dirk Schmaler 25.01.2013
Margit Kautenburger 24.01.2013
Lars Ruzic 24.01.2013