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Meinung Das Gewaltritual
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22:30 02.05.2010
Von Reinhard Urschel

Nach gängiger Auffassung sind 25 Jahre eine Menschengeneration, und ungefähr so lange schon finden Gegner der staatlichen Ordnung dieses Landes ihre Erfüllung darin, in dieser magischen Nacht nicht partisanenhaft einzeln Gewalt gegen Sachen – beispielsweise Autos der gehobenen Preislagen oder Lieferwagen von Paketdiensten – auszuüben, sondern in größeren Kommandos mit Vorliebe auf Polizeibeamte einzudreschen oder zu versuchen, sie anzuzünden.

Das ist der Versuch einer nüchternen Beschreibung eines zum Ritual gewordenen Sachverhalts, der mal heftiger, mal weniger heftig ausfällt. Es hat schon Tote gegeben am Rande dieser Mai-Ausschreitungen. Im vergangenen Jahr haben scheinbar Unbeteiligte schwerste Brandverletzungen durch Molotowcocktails erlitten. In diesem Jahr sprechen die Politik und die Führung der Polizei von einem verhältnismäßig ruhigen und friedlichen Ablauf der Geschehnisse, was die zahlreichen verletzten Menschen in Uniform, vor allem aber der schwer verletzte Polizist vermutlich anders ausdrücken würden, wenn man sie ließe.

Mollies für Touristen

In diesem Jahr ist aber auch eine Erscheinung manifest geworden, bei der man sich ernsthaft fragen muss, ob man das noch merkwürdig finden kann – oder ob man es nicht ehrlicher einfach nur pervers finden sollte. „Revolutionary Berlin“ heißt die neueste touristische Attraktion, eine Führung durch die umkämpften Kieze, angeboten von angeblichen Linken, die lieber namenlos bleiben, andererseits aber wiederum so links nicht sind, dass sie kein Geld nehmen würden für ihre Dienste. Die Erkenntnis, die diese Leute verbreiten, klingt beinahe bedauernd, so wie sie sie ihren Kunden vortragen: Früher seien die Steine und die Mollies ja noch wirklich aus politischer Überzeugung geworfen worden, als Beitrag zur Debatte gewissermaßen, heute flögen die Wurfgeschosse nur noch aus Spaß.

Die Autonomen, der Schwarze Block, wie sich die Randalierer selbst nennen, oder die Linksextremisten, wie sie von außen gerne bezeichnet werden, merken gar nicht, wie sie sich selbst die Maske vom Gesicht reißen: Steine werfen, Müllcontainer anzünden, Drogeriemärkte plündern, was zum Teufel soll daran „links“ sein? Und das große Verdienst, den Aufmarsch der Neonazis und ihrer glatzköpfigen Hilfswilligen unterbunden zu haben, dieses Verdienst gebührt nicht der militanten, krakeelenden Antifa, sondern den verhassten Bürgerlichen, den ganz gewöhnlichen „Normalos“, wenn man so will.
In Berlin und in vielen anderen Städten Deutschlands stellen sich bunte Bündnisse den Braunen entgegen, wo immer diese ihre Hassparolen unbedingt auf der Gasse grölen wollen. In diesen „Spaziergängern“, die ausdrücklich keine Randale-Gaffer sind, sondern wirklich mutige Demonstranten, lodert der Funken Hoffnung, dass die Demokratie in Deutschland einen starken Kern hat.

Die Polizei braucht Hilfe

Sorgen aber bereitet eine Entwicklung, die an Tagen wie dem 1. Mai augenfällig wird, die aber schon viel tiefer in den Alltag eingedrungen ist, als es der Rechtsstaat dulden kann. Ausbeuter, Armut, Finanzkrise, die Nazis – die Autonomen basteln sich ja noch ihre Gründe für die Gewalt gegen Polizisten zusammen. Wie aber sollen die Streifenbeamten den Ausbruch von Gewalt verstehen, die gerade zwei minderjährige Handtaschenräuber festgesetzt haben und sich in Minutenschnelle von zusammentelefonierten Familienmitgliedern umringt sehen, die ihnen ohne jedes Unrechtsbewusstsein die Täter entreißen? Oder die Verkehrspolizisten, die bei Routinekontrollen schon zur Waffe greifen müssen, weil die Fäuste von Rasern und Falschparkern lockerer sitzen als früher.

Der Bürger muss nicht strammstehen vor jeder Uniform wie in autoritären oder gar totalitären Zeiten. Der fortschreitende Respektverlust aber bis hin zur offenen Aggression im Alltag ist ein alarmierendes Zeichen. Die Polizei hat offenbar begriffen, dass am 1. Mai die Taktik der ausgestreckten Hand bei jenen fehlschlagen muss, die in keiner Weise gesprächsbereit sind. Diese Erkenntnis gilt offenbar auch im Alltag. Um sie umsetzen zu können, braucht die Polizei die Hilfe von Politik und Justiz.

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