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Fußball-Kribbeln
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Fußball-Kribbeln
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21:22 21.04.2015
Von Hendrik Brandt
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Darauf hätte man auch nicht wetten mögen: Ausgerechnet vor dem Heimspiel von Hannover 96 gegen 1899 Hoffenheim am Sonnabend kehrt das leise Fußball-Kribbeln in die Stadt zurück. Das hat nichts mit dem Club aus dem Badischen zu tun, dem es noch lange an der Patina fehlen wird, die einen echten Bundesligaverein auszeichnet. Sondern allein mit zwei kühnen Schritten, zu denen sich der zuletzt fast sediert wirkende Verein Hannover 96 nun doch entschlossen hat: Ein neuer Trainer soll es im Verbund mit der guten Laune des einstigen Kapitäns sportlich richten. Und: Die aktivsten der Fans sollen wieder Stimmung machen dürfen. Im „Niedersachsenstadion“, wie sie stur sagen, und weitgehend zu ihren Bedingungen. Um so weit zu kommen, musste Präsident Martin Kind gleich zweimal gewaltig weit springen – über den eigenen Schatten. Das schafft auch nicht jeder.

Die Lethargie der vergangenen Wochen scheint damit überwunden zu sein, doch die neue Stimmung schafft noch keine neue Lage. Sportlich bleibt es eng: 29 Punkte stehen aktuell auf dem 96-Konto. Im vergangenen Jahr reichten 32, um weiter in der ersten Liga mitspielen zu dürfen. Auch, wenn die Konkurrenzlage in dieser Spielzeit neu ist: Unmögliches sieht anders aus – wenn es gelingt, das uninspirierteste 96-Team der vergangenen Jahre doch noch hinter dem Vereinslogo zu versammeln.

Und dann? „Prüfstand“ könnte das Zauberwort werden. Denn Hannover 96 ist ja nicht nur durch Pech oder höhere Mächte in Schwierigkeiten geraten. Manches, was in den sehr erfolgreichen Jahren seit dem Wiederaufstieg 2002 nicht geklärt werden konnte oder musste, hat in diesem Jahr zu der Situation beigetragen. Und wird jetzt neu zu diskutieren sein. Der Verein Hannover 96 wird seinen Profifußball endgültig als eigenes (Wirtschafts-)Unternehmen ziehen lassen müssen – in das „Showgeschäft Fußball“, wie Chef Martin Kind es treffend nennt. Dort gelten Gesetze, die mit dem Traditionssport nicht immer viel gemein haben; in dem Punkt haben die Ultras recht. Wer aber Fußball auf gutem, gern auch internationalem Niveau erleben will, kann sich dem nicht entziehen. Europa auf Holzbänken, ohne Werbung, Logen und Sicherheitskontrollen wird es nicht geben. Andererseits wäre die Firma 96 gut beraten, neben dem überall engagierten Kind nun weitere Profis ins Management zu holen – und in anderen Städten zu lernen, wie der Spagat zwischen Tradition und kommerzieller Zukunft gelingt. Wer ist dann schon noch Hoffenheim?

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