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Meinung Das traurige Signal von Frankfurt
Nachrichten Meinung Das traurige Signal von Frankfurt
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21:48 18.03.2015
Von Marina Kormbaki
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Den Organisatoren des Protests gegen die Einweihung der neuen EZB-Zentrale ist es nicht gelungen, die vielen Randalierer in ihren Reihen unter Kontrolle zu halten. Gewiss ist das schwierig in einem internationalen, dezentral organisierten Bündnis wie „Blockupy“. Aber wenn dieses Bündnis ernst genommen werden will, muss es sich von jenen lossagen, die nur die Lust auf Gewalt antreibt.

Das robuste Auftreten der Frankfurter Polizei mag es den Krawalltouristen leicht gemacht haben, sich schnell provoziert zu fühlen. Die schwarz-grüne Landesregierung zählte zwar zuletzt immer wieder Deeskalationstrainings auf, die Frankfurter Polizisten seit dem Regierungswechsel vor gut einem Jahr durchlaufen haben. Rabiate Szenen bei der Einkesselung von Demonstranten weckten allerdings gestern Zweifel am angestrebten neuen Stil.

Der Protest geriet am Ende vollends in den Schatten der Gewalt. Die Zusammenstöße rund um die EZB werfen grundsätzliche Fragen auf: Was sagt es aus über eine Gesellschaft, dass sie ihre Zentralbank mit Nato-Draht abriegelt?

Es wäre nicht fair, die Anliegen der überwiegend gewaltfreien Aktivisten auszublenden. Tausende junge Deutsche, Italiener, Franzosen, Belgier sind nach Frankfurt gekommen, vereint im Unbehagen an Europa. Sie klagen über ein Europa, das mit ungeheuren Anstrengungen Banken rettet, aber Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lässt; das Wachstumsziele präzise formuliert, aber vielen Jugendlichen nicht einmal vage Zukunftsperspektiven geben kann. Sie wachsen auf mit dem Gefühl, dies sei nicht ihr Europa. Darin liegt das über den Tag hinausweisende traurige Signal von Frankfurt.

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