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Meinung Der Wolf ist kein Märchentier
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19:25 06.02.2015
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Es war ein kalkulierter Schock: Als erboste Schafhalter in dieser Woche den blutigen Kadaver einer Heidschnucke zum hannoverschen Umweltministerium brachten, ging es um eine Anklage: Politiker, seht her, was ein Wolf anrichten kann! Ein drastisch gesetztes Zeichen - mit ernstem Hintergrund. Denn die Wölfe sind zurück. Und wir müssen darüber reden, wie wir langfristig mit diesen Tieren zusammenleben wollen.

Es sind bislang Wenige, die dem Wolf wirklich misstrauisch oder feindselig gegenüber stehen. Die übergroße Mehrheit freut sich über die Rückkehr der Grauen und wird nicht müde zu betonen, dass der Wolf nicht das Monster aus den Märchen ist. Doch dabei übersehen manche, dass es auch auf ihrer Seite ein Märchen gibt, das die Diskussion beeinflusst: Dass vom Wolf als edler Seele, eine Art wildem, aber für uns Menschen harmlosen Hund. Beides ist falsch: Der Wolf ist weder aggressiv-böse noch ein Maskottchen oder Kuscheltier.

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Die Frage, wie wir den Wolf heute sehen, hat mit unserem allgemeinen Verhältnis zur Natur zu tun. Es hat sich sehr stark gewandelt, seit es ihn zuletzt in unseren Breiten gab. Damals war Natur groß und gewaltig, frucht- und furchtbar zugleich - und der Mensch war unbedeutend in ihrem Angesicht. Heute ist Natur etwas Schwaches und Zerbrechliches geworden. Wir haben keine Wildnis mehr in Deutschland, sondern leben in einer Kulturlandschaft, in der jeder Meter vermessen und bearbeitet ist.

Auch unser Verhältnis zu Tieren hat sich gewandelt, weil der Fleischkonsum zwar steigt, aber immer weniger Menschen mit der Verarbeitung der Nutztiere zu tun haben. Kantinenchefs müssen sich heute schon Beschwerden anhören, wenn sie es wagen, mittags eine Forelle zu servieren - mit Kopf und Schwanzflosse. Diese Naturferne führt dazu, dass wir dazu neigen, Tiere zu verniedlichen. Doch wenn der Wolf letztlich fast als Mitmensch idealisiert wird, tun wir uns und dem Tier keinen Gefallen.

Der Wolf gehört in unsere Tierwelt und er wird bleiben. Doch in dem Maße, in dem seine Population zunimmt, kann er zur Gefahr werden. Es reicht nicht, Schafhaltern den Schaden zu bezahlen und es dabei zu belassen. Wölfe sind intelligent: Wenn sie einmal gelernt haben, wie einfach es ist, sich ein Schaf von der Weide zu holen, verzichten sie auf die anstrengende Jagd im Wald.

Wir müssen dem Wolf die Hatz auf den Weiden schwer machen, sonst werden wir bald keinen Halter mehr finden, der bereit ist, Schnucken über die Lüneburger Heide zu treiben, oder auch Kühe und Pferde nachts auf der Weide zu lassen. Elektrozäune und Hütehunde sind erste Mittel - doch langfristig werden wir auch wieder Jagd auf den Wolf machen müssen. Kontrolliert und in Maßen, wie bei anderen Wildtieren auch. Denn wir dürfen den Wolf nicht als Fabelwesen sehen, sondern als das, was er ist: Ein Raubtier.

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