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Meinung Detlef Drewes über den EU-Gipfel
Nachrichten Meinung Detlef Drewes über den EU-Gipfel
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21:29 19.10.2012
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Hannover

Da erfindet man die direkte Rekapitalisierung maroder Banken durch den ESM, verspricht auch schnelle Rettung, sobald die europäische Bankenaufsicht installiert ist – und lässt sich anschließend viel Zeit mit der Installation. Während Spanien dringend auf die versprochenen Milliarden wartet und in Italien eine Traditionsbank nach der anderen herabgestuft wird, braucht Brüssel schon zwei Gipfeltreffen, um den erhofften Mechanismus in Gang zu setzen.

Dennoch gilt: Die Europäische Union ist zweifellos ein gutes Stück weitergekommen. Wer die Bilanz über das vergangene halbe Jahr hinaus ausdehnt, muss feststellen, dass sich die Staats- und Regierungschefs sogar unglaublich weit bewegt haben. Aber die Gemeinschaft muss sich nicht nur an der Frage messen lassen, wie viele Schritte sie bereits zurückgelegt hat, sondern wie groß deren Wirkung ist.

Dies lässt sich nicht nur an ausgezahlten Milliardenhilfen oder Zinssätzen für Staatsanleihen ablesen, auch die Lebenswirklichkeit der Menschen, die unter der Schuldenkrise leiden, zählt. Und da fällt das Fazit eben doch ziemlich niederschmetternd aus. Es reicht nicht, den Erfolg der Griechenland-Hilfen an einem errechneten Staatsdefizit für 2020 festzumachen. Die Perspektiven für Jobsuchende, Familien mit vielen Kindern und Rentner sind ebenso wichtig. Bei diesem Gipfeltreffen ist tatsächlich einiges erreicht worden. Doch die politisch heikle Frage bleibt, wann sich auch für die Bürger in den beteiligten Staaten die Dinge zum Besseren wenden.

Klaus von der Brelie 18.10.2012
Reinhard Urschel 18.10.2012