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Meinung Detlef Drewes über den Trioka-Bericht
Nachrichten Meinung Detlef Drewes über den Trioka-Bericht
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06:15 15.11.2012
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Jetzt waren ein paar Streicheleinheiten wichtig. Man musste den Griechen das Gefühl geben, dass die Opfer nicht vergebens sein werden, sondern dass tatsächlich etwas in Bewegung kommt. Ansonsten hätten die Geberstaaten weit mehr riskiert als die finanzpolitische Pleite des Landes. Das ohnehin schwindende Vertrauen in die Sinnhaftigkeit der verordneten und von der Regierung Samaras exekutierten Maßnahmen wäre dahin gewesen. Der angestaute soziale Zündstoff wäre explodiert. Das kann und das darf die EU sich nicht leisten.

Tatsächlich aber zeigt der Troika-Bericht, dass die kühnen Hoffnungen der Geldgeber auf eine wenigstens mittelfristige Heranführung Athens an den Finanzmarkt utopisch sind. Griechenland ist weiter von dem magischen 120-Prozent-Ziel bei der Staatsverschuldung entfernt als prognostiziert. Das Land wird noch auf Jahre hinaus ein Sorgenkind der Währungsunion bleiben. Gebraucht wird nun eine Wiederaufbau-Perspektive, damit sich wenigstens mittelfristig wieder spürbare Besserung bei Löhnen und Sozialleistungen einstellt.

Die Solidarität, die den Hilfspaketen zugrunde liegt, ist viel wert. Aber sie macht nicht satt und mit ihr kann man keine Mieten bezahlen. Europa wird noch mehr tun müssen.

Jörg Kallmeyer 11.11.2012