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Meinung Die Hölle auf Mallorca
Nachrichten Meinung Die Hölle auf Mallorca
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15:09 02.09.2013
Von Volker Goebel

Wie machen die das nur, die Spanier? Seit einem Monat schon sitzt der berüchtigte hannoversche Hells Angel Frank Hanebuth auf Mallorca in Haft. Und es sieht so aus, als käme er da so schnell nicht raus. Mehr noch: Der zuständige Ermittlungsleiter der Polizei zeigt sich überzeugt davon, dass Hanebuth und seine Kumpane sich in jedem Fall vor einem spanischen Gericht werden verantworten müssen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um Menschenhandel in Zusammenhang mit Prostitution, um Drogengeschäfte, Erpressung, kurz gesagt um das weite Feld der organisierten Kriminalität, das die Hells Angels auch in Deutschland bestellen.

Und obwohl auch deutsche Ermittler der festen Überzeugung sind, dass Frank Hanebuth das schmutzige Geschäft der Rocker lange Zeit federführend betrieb, vielleicht immer noch betreibt, ist es nie gelungen, den Höllenengel hierzulande in diesen Dingen zur Rechenschaft zu ziehen. Am Ende, so mussten Ermittler achselzuckend einräumen, fehlte es stets an Beweisen, an Belastungszeugen, an der Möglichkeit, die schweren Vorwürfe hinreichend zu konkretisieren und zu personalisieren. So gesehen ist es von einer gewissen Peinlichkeit, dass die spanischen Behörden nun möglicherweise das geschafft haben, woran die deutsche Polizei und Justiz gescheitert ist, nämlich Hanebuth hinter Gitter zu bringen.

Zu tun hat das jedoch auch mit dem spanischen Rechtssystem, das es erlaubt, mit Untersuchungshäftlingen anders umzuspringen, als dies in Deutschland möglich ist. Andererseits darf auch in Spanien niemand ohne hinreichenden Tatverdacht weggesperrt werden. Und es ist ja auch bezeichnend, dass sich die deutschen Ermittler in Sachen Hells Angels und Hanebuth derzeit auffallend zurückhalten.

Mit einiger Bestürzung dürften sie in diesen Tagen das Begehren der Spanier zur Kenntnis genommen haben, doch bitte mal das Anwesen des Frank H. in der Wedemark mittels einer Razzia genauer unter die Lupe zu nehmen. Genau das hatten die hiesigen Fahnder im September 2011 getan, der spektakuläre Polizeieinsatz ist noch sehr gegenwärtig. Nur hat er am Ende überhaupt nichts zutage gefördert, was gegen Hanebuth verwendet werden konnte. Am Ende, das ahnt man, könnte auch das Verfahren in Spanien so ausgehen.

Nun sollte man aber nicht so tun, als sei gegen die Rocker und ihre üblen Machenschaften nichts auszurichten. In Hannover ist Frank Hanebuth am Ende doch in die Enge getrieben und gewissermaßen geächtet worden. Er, der sich gern als der Befrieder des Rotlichtviertels stilisierte und viel zu lange als solcher geduldet wurde, musste am Ende zur Kenntnis nehmen, dass er in dieser Stadt nicht erwünscht ist. Das hat ihn erkennbar getroffen und womöglich auch bewogen, seine Aktivitäten nach Mallorca zu verlegen. Womöglich ging er dabei leichtsinniger und ungeschützter vor als sonst – da aber die Spanier nicht allzu viele Details über ihre Erkenntnisse mitteilen, lässt sich darüber nur spekulieren. Erkennbar ist jedenfalls das Bemühen der Behörden, den Höllenengeln die Urlaubsinsel Mallorca so ungemütlich wie nur möglich zu machen – mit allen Mitteln, die die Gesetze hergeben. Das ist ein Signal, das in ganz Europa viel Beachtung findet. Und das allen Fahndern, die gegen die organisierte Kriminalität kämpfen, Mut machen sollte. Auch in Hannover.

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