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Meinung Die tausend Fragezeichen
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21:52 21.03.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
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Die Ungewissheit ist schwer zu ertragen. Was ist mit Flug MH370 geschehen? Wo ist das Wrack? Gibt es überhaupt ein Wrack? Was ist mit den 239 Passagieren? Ist es möglich, dass es Überlebende gibt? Welche Rolle spielt der Kapitän? Warum hat sich keiner der Passagiere mit einem Handynotruf gemeldet? Wie kann es sein, dass ein Flugzeug so lange unentdeckt weiterfliegt? Wird sich das Schicksal der Boeing 777, die am 8. März um 0.41 Uhr Ortszeit in Kuala Lumpur Richtung Peking startete, jemals aufklären lassen? Und: Was kann man tun, damit so etwas nicht noch einmal passiert? Fragen über Fragen.

Das Schicksal des Malaysia-Airlines-Flug MH370 beschäftigt die Menschen auf der ganzen Welt. Viele Medien haben einen Liveticker zu dem Thema eingerichtet. Ein Liveticker ist das neue Mittel zur Demonstration von Relevanz; wenn es zu einem Thema einen Liveticker gibt, muss es wirklich wichtig sein. Erstaunlich daran ist, dass das überkommene Medium des Fernschreibers diesem modernen Nachrichtenformat seinen Namen gegeben hat. Denn eigentlich tickt beim Ticker ja heute gar nichts mehr. Diese Newsticker haben einen Nachteil: Sie zwingen die Macher dazu, in kurzen Taktraten Nachrichten zu generieren – selbst dann, wenn gar keine Nachrichten vorhanden sind.

Ungewissheit macht uns 
unruhig, ...

Wenn Informationen fehlen, blühen Spekulationen. Wir können gar nicht anders: Wir müssen uns Erklärungsmodelle schaffen. Ungewissheit macht uns unruhig, also wird drauflosspekuliert. Verschiedene Theorien stehen zur Auswahl: Erstens: Es gab ein technisches Problem, ein Feuer an Bord, die Crew hat eine Kursänderung vorgenommen, um den nächstgelegenen Flughafen zu erreichen. Die Piloten mussten sich aufs Fliegen konzentrieren, nicht aufs Reden, also haben sie sich nicht gemeldet. Rauch drang ins Cockpit, die Piloten erstickten, der Autopilot steuerte die Maschine, bis der Treibstoff verbraucht war. Zweitens: Das Flugzeug wurde entführt. Entweder von einem Teil der Crew oder von Passagieren. Und dann gibt es – drittens, viertens, fünftens – noch eine Reihe von Verschwörungstheorien.

Verschwörungstheorien gehen meist von zwei Annahmen aus: Einige Leute wissen genau Bescheid, behalten ihr Wissen aber für sich, und: Mächtige Interessen sind im Spiel. So wird dann – bevorzugt in den Verschwörungsbrutkästen diverser Internetforen – über den von den Amerikanern betriebenen Flughafen Diego Garcia im Indischen Ozean spekuliert und über Passagiere, die angeblich für dubiose Militärfirmen arbeiten sollen. Wie die meisten Verschwörungstheorien weisen auch die zum verschwundenen Flugzeug dem Militär eine wichtige Rolle zu. Die schillerndsten Möglichkeiten zirkulieren dabei deutlich intensiver als jene, die von Naheliegendem ausgehen, einem technischen Fehler mit tragischen Folgen.

Noch etwas anderes beschäftigt uns: Wie kann es sein, dass auf dieser hoch technisierten, allseits überwachten Welt ein Flugzeug einfach so verloren geht? Manchmal neigt man dazu, sich die Welt kleiner vorzustellen, als sie ist. Man vergisst, dass es gewaltige Ozeane gibt und riesige Gebiete ohne Handy-Empfang (den es in großer Höhe schon gar nicht gibt).

... also 
spekulieren wir
drauflos

Für die meisten Generationen vor uns war Reisen ein Eintauchen ins Unbekannte und Ungefähre. Wer mit dem Segelschiff in See stach, wer sich mit der Kutsche auf den Weg machte, konnte nie exakt über seine Ankunft Auskunft geben. Sogar, ob man das Ziel erreichen würde, war unsicher. Heute betrachten wir mit großer Selbstverständlichkeit die grüne Linie auf dem Monitor in der Rückenlehne vor uns – und sehen, wie dort ein Abbild unseres Fliegers dem Ziel entgegengleitet. Es wirkt, als wären Schienen durch die Luft gebaut. Abweichungen sind nicht vorgesehen. Und sie kommen auch kaum vor.

Die Selbstverständlichkeit, mit der wir uns in mehr als 10.000 Metern Höhe bewegen, hat der große Loriot einmal auf die Formel gebracht: „Der Mensch ist das einzige Wesen, das im Fliegen eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann.“

Fliegen scheint so einfach. Das ist es nicht. Technisch ist es ein hochkomplexer Vorgang, bei dem viele gut ausgebildete Menschen viele gut überlegte Dinge tun. Fliegen scheint nun unsicher. Das ist es aber auch nicht. Immer noch ist das Reisen per Flugzeug die sicherste Art der Fortbewegung. Nachdem in den USA nach den Terroranschlägen vom 11.   September viele Menschen auf das Flugzeug verzichteten und lieber das Auto nahmen, gab es schätzungsweise 1600 mehr unfallbedingte Todesfälle als statistisch zu erwarten gewesen waren.

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