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Meinung Ein hilfreiches Angebot für Putin
Nachrichten Meinung Ein hilfreiches Angebot für Putin
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21:46 23.01.2015
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Hinterher ist man immer schlauer. Aber die Ukraine-Krise wäre vielleicht zu verhindern gewesen, wenn Deutschland und die EU dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Herbst 2013 ein attraktives Angebot gemacht hätten – zum Beispiel die Visa-Freiheit für Russen im Schengen-Raum, die er schon seit vielen Jahren fordert. Wäre ein solches Zugeständnis von ernsthaften Gesprächen über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Ukraine, Russland und der EU  flankiert worden, würde im Osten der Ukraine – möglicherweise – noch immer Frieden herrschen.

Auch jetzt sollten Deutschland und die EU Putin ein Angebot machen, um „aus dem Schlamassel in der Ukraine rauszukommen“, wie es Horst Teltschik vor Kurzem gefordert hat. Er frage sich bei Merkel immer, worüber sie mit Putin eigentlich spreche, sagte Helmut Kohls langjähriger außenpolitischer Chefberater. „Hat sie einen Ansatzpunkt, um aus dem Konflikt herauszukommen? Und wie stellt sie sich die künftige Zusammenarbeit mit Russland vor?“

Eine einfache Lösung für den Ukraine-Konflikt wird es nicht geben, das weiß auch Teltschik. Aber er hat mit der Forderung recht, dass Deutschland und die EU versuchen sollten, im Umgang mit Russland dem bewährten außenpolitischen Prinzip von Leistung und Gegenleistung wieder Geltung zu verschaffen. Deshalb war es richtig, dass Merkel beim Weltwirtschaftsforum in Davos Putins Idee von einem Wirtschaftsraum zwischen Lissabon und Wladiwostok aufgegriffen hat. Für konkrete Schritte in diese Richtung ist es zu früh. Aber Putin sollte wissen, dass er auch etwas gewinnen kann, wenn er in der Ukraine-Krise endlich einlenkt und sich für eine dauerhafte Waffenruhe einsetzt. Derzeit sieht allerdings alles nach einer weiteren Eskalation aus, was nicht nur, aber auch an Putin liegt.

Udo Harms 22.01.2015
Gabi Stief 24.01.2015
24.01.2015