Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Ein neues Polen
Nachrichten Meinung Ein neues Polen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:50 05.07.2010

Indem die Polen ihrem neuen Präsidenten Bronislaw Komorowski einen glänzenden Wahlerfolg verschafften, haben sie die alten Ängste weggeblasen, vor allem die Angst vor Europa und die Angst vor Deutschland.
Die Europäische Union bekommt jetzt wieder Aufwind. Denn Polen wird nun kein Bremsklotz mehr sein, sondern sich aktiv und konstruktiv in der EU engagieren.

Speziell die Deutschen aber können sich freuen, nun eine ihnen besonders wohlgesonnene politische Führung in Warschau zu wissen. Deutschland ist kein Angstgegner für Komorowski. Schon als Vorsitzender des polnischen Abgeordnetenhauses förderte er die deutsch-polnische Zusammenarbeit, wo er nur konnte. Anders als sein Rivale Jaroslaw Kaczynski hält der Wahlsieger die Versöhnung zwischen Polen und Deutschland für gelungen und – das ist wichtig – für weitgehend abgeschlossen.

Neuer EU-Motor: Berlin, Paris, Warschau

Schon Anfang kommender Woche wird Komorowski Besuch aus Deutschland bekommen: Bundespräsident Christian Wulff wird in Warschau einen Antrittsbesuch machen. Der Wind des Wandels bläht beiden frisch gewählten Präsidenten die Segel: Jetzt besteht die Chance, dass sich zwischen Polen und Deutschland eine Freundschaft entwickelt, wie sie schon lange zwischen Frankreich und Deutschland besteht.

Unter Lech Kaczynski, dem bei einem Flugzeugabsturz getöteten früheren Präsidenten, war alles noch viel schwieriger. Spannungen im Verhältnis zu Deutschland zu pflegen, war geradezu ein Markenzeichen Kaczynskis. Mal ging es um die Vertriebenen, mal um die angeblichen Polenfeindlichkeit der Deutschen. Hinzu kam bei Kaczynski die ständige Sorge, Polen könne im Zuge der EU-Integration allzu viel Souveränität einbüßen. Im Zweifelsfalls igelte Warschau sich lieber ein, statt auf europäischer Ebene konstruktiv mitzuwirken.

Das könnte jetzt anders werden. Unter Komorowski könnte das schon zu Zeiten Helmut Kohls ins Leben gerufene „Weimarer Dreieck“ aus Franzosen, Deutschen und Polen wieder eine Rolle spielen. Berlin, Paris und Warschau könnten gar erstmals zum „Motor der EU“ werden. Den klassischen EU-Führungsmächten Frankreich und Deutschland ist mit der Finanzkrise zu viel Luft ausgegangen, um nur als Duo der EU noch entscheidende Impulse zu geben. In Polen indessen hat sich, unterstützt von erfreulichen Wachstumsraten, ein neues und hochinteressantes ökonomisches und politisches Kraftfeld entwickelt.

Ein hochmodernes, weltoffenes Land

Interessant wird Polen auch durch seine besonderen Beziehungen nach Osten hin, nicht zuletzt nach Russland. In den Wäldern von Katyn reichten sich am 7. April Wladimir Putin und Donald Tusk, die Premierminister Russlands und Polens, die Hände. Jahrzehntelang hatte der Kreml das Massaker an 22.000 polnischen Offizieren im Jahr 1940 den Deutschen in die Schuhe geschoben. Jetzt kündigte Putin an, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um das in Wahrheit von Stalin begangene Verbrechen endgültig aufzuklären. Zu besichtigen ist ein längst überfälliges historisches Wendemanöver: Moskau und Warschau streben ein ganz neues Verhältnis an. Sie wollen endlich aus dem Schatten der Geschichte heraustreten. Lech Kaczynski hatte dieses Ziel ebenso torpediert wie sein Bruder Jaroslaw, der jetzt gegen Komorowksi kandidierte.

Für die Polen selbst wird der Wandel im Inland zunächst interessanter sein als alle außenpolitischen Neuerungen. Neu ist jetzt vor allem das Ende der inneren Bockade: In Polen kann das Staatsoberhaupt Gesetze per Veto stoppen. Der neue Präsident hat nun die Möglichkeit, gemeinsam mit Regierungschef Donald Tusk, der aus der gleichen Partei kommt, die Modernisierung voranzutreiben.

Beide wissen, dass viel Handlungsbedarf besteht, angefangen von den Staatsfinanzen bis zum Gesundheitswesen. Schon warnen Berater davor, einen zu harten Kurs einzuschlagen. Doch viele Polen sind bereit, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen – solange es rundum aufwärts geht. Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht. Im Sommer 2012 richtet Polen gemeinsam mit der Ukraine die nächste Fußball-Weltmeisterschaft aus. Die Mehrheit der Polen brennt darauf, der Welt in zwei Jahren ein hochmodernes, weltoffenes Land zu zeigen.

Gabriele Lesser

Meinung Heiko Rehberg zur Nationalmannschaft - Zum Verlieben

Deutschland ist wieder frisch verliebt. Diesmal nicht in einen Eisbären namens Knut oder in eine Sängerin wie Lena. Deutschland ist verliebt in seine Nationalmannschaft, und das Schöne daran ist: Es handelt sich längst nicht nur um die zig Millionen Fußballfans im Land, die von 23 meist jungen Männern und ihrem Trainer begeistert sind.

Heiko Rehberg 04.07.2010
Meinung Alexander Dahl zur Raketenabwehr - Mächtiger Freund

Manch ein Deutscher mag sich dieser Tage wundern, wenn er nach Polen blickt: Dort werden demnächst amerikanische Raketenabwehrsysteme aufgestellt, ohne dass jemand protestiert. Im Gegenteil, viele Polen blicken mit Erleichterung auf die US-Militärtechnik.

Alexander Dahl 04.07.2010
Meinung Matthias Koch zur Atomkraft - Verhandelbar

Wird die Berliner Koalition, die sich bei den Themen Steuern und Gesundheit kräftig verhoben hat, nun bei der Atompolitik Großes bewegen? Die Chancen stehen nicht gut. Und das liegt nicht mal an den viel zitierten inneren Streitigkeiten in der Koalition.

Matthias Koch 04.07.2010