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Meinung Die entgrenzte Stagnationskuhle
Nachrichten Meinung Die entgrenzte Stagnationskuhle
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02:15 15.07.2016
Pokémon Go-Spieler in New York City. Quelle: dpa
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Nun ist Pokémon Go da. Ein Handyspiel. Es ist keins wie jedes andere, sondern ein schlimmes.

Alle jubeln, Kinder, Käufer, Händler, Hersteller. Ob auch der Programmierer jubelt? Er hat eine Maschine erschaffen, die eine der letzten Grenzen einreißt, die Kinder erkennen: die zwischen drinnen und draußen. Bisher ging Nintendo spielen so: drinnen. Allein oder mit Freunden in der Stagnationsmulde auf dem Bett mit Tagesdecke lümmelnd und daddelnd, bis der Abend kommt. Oder der Arzt. Oder der Vater, der fleht: „Geht doch bitte mal in die Sonne. Auf eine Wiese. Mit einem Ball oder so. Nach draußen. Da, wo kein WLAN ist.“ Pokémon-Go ändert das. Die Stagnationsmulde wird entgrenzt, ins Unendliche, ins Immer. Man kann daddelnde Kinder nicht mehr für eine Pause ins Freie schicken. Pokémon-Go ist Überall-und-immer-Daddeln.

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Bald schon werde ich mit Verzweiflung in Blick und Stimme ein Kind fixieren. Ich, der Nintendo und Handy trotz aller Warnungen um Jahre zu früh geschenkt hat, werde flehen: „Schalte dieses Spiel aus. Es frisst deine Zeit, es verzehrt deine Kindheit.“ Vor der Reaktion ist mir bange. Keiner will, dass Kinder maßlos daddeln. Aber Väter kaufen, Väter verkaufen, Väter stellen her, Väter entwickeln, was sie nicht in den Händen ihrer Kinder sehen wollen, weil sie wissen, dass es so etwas wie maßvolles Daddeln nicht gibt. Warum ist das so? Verrückte Welt.

Ich spiele seit Längerem mit dem Gedanken, Nintendo auf die Herausgabe entgangener Lebenszeit eines Kindes zu verklagen. Obwohl das wohlfeil wäre. Denn jeder Vater wohnt irgendwie auch in einem Glashaus.
Wer mag, kann nun die Wartezeit zum Nachdenken über dieses großartige und sehr passende Goethe-Wort nutzen: „Die Wahrheit gehört dem Menschen, der Irrtum der Zeit an.“

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