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21:29 31.10.2014
Von Felix Harbart
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Hannover

Es gibt Zeiten, da ist die gebotene politische Maßnahme der kalkulierte Eiertanz. So wie jetzt beim Umgang mit den sudanesischen Flüchtlingen, die seit Mai auf dem Weißekreuzplatz protestieren. Es ist bemerkenswert, mit welcher Sensibilität und welchem Augenmaß Stadt, Politik und vor allem Anwohner mit diesem Dauerprotest im Herzen der Stadt bisher umgegangen sind. Jetzt aber stellt sich die Frage, wie lange er noch andauern soll und wie man ihn so umlenken kann, dass keiner der Beteiligten sein Gesicht verliert – und nicht noch etwas Schlimmes passiert.

Die Aktion der Flüchtlinge ist eine Fundamentalkritik am deutschen Asylrecht an sich, und sie soll die Aufmerksamkeit der deutschen Nachbarn auf das Leiden der Menschen in dem nordostafrikanischen Land lenken. Man muss das noch einmal erklären, denn mancher hat es trotz aller Medienpräsenz der Demonstranten schon wieder vergessen. Schließlich geht es in der Wahrnehmung vieler Hannoveraner im Zusammenhang mit dem Camp seit Wochen nur noch um Abfallentsorgung und Heizpilze und Attacken mutmaßlicher Rechtsradikaler. Ihrer Sache, so scheint es, können die Campbewohner dadurch, dass sie den Winter über auf dem Weißekreuzplatz frieren, kaum noch dienen.
Der Frust, der sich bei ihnen aufstaut, ist kaum zu ermessen. Während in ihrem Heimatland himmelschreiende Ungerechtigkeiten geschehen, ist die Krise im Sudan für die meisten Mitteleuropäer einer von vielen Bränden auf der Welt. Zorn und Trotz unter den Flüchtlingen sind so groß, dass sie nicht aufhören wollen zu demonstrieren. Aber langsam beginnt die Botschaft sich zu versenden.

Derweil herrscht rund um den Platz und im Rest der Stadt nach wie vor eine Gelassenheit, die höchst erfreulich ist. Die Nachbarn regen sich nicht nur nicht auf, sie versuchen sich sogar an Suppenküchen und anderen Angeboten, um den Flüchtlingen den Winter erträglich zu machen. Man hat im benachbarten Pavillon Feste gefeiert und sich solidarisiert, und einmal, als einer der Flüchtlinge abgeschoben werden sollte, setzten sich Hunderte Unterstützer in das Treppenhaus vor seiner Wohnung und ließen die Beamten nicht durch.

Nur: Wie lange soll das noch so weitergehen? Die Flüchtlinge werden nicht ewig auf dem Weißekreuzplatz kampieren können, und sie müssen das auch nicht. Zur Erinnerung: Sie alle haben feste Wohnsitze und dürfen, zumindest offiziell, nicht in ihrem Camp übernachten. Man muss befürchten, dass die Stimmung rund um den Platz nicht besser werden wird, je länger sie dort bleiben. Und was wäre, wenn die Sudanesen eines Tages tatsächlich Opfer einer rechtsextremen Straftat würden, wie sie es schon mal befürchtet haben? Damals liefen mutmaßliche Rechtsextreme und linke Unterstützer der Flüchtlinge in einer unübersichtlichen Gemengelage über den Weißekreuzplatz und verursachten einen Großeinsatz der Polizei. Da ist die verirrte Pressemitteilung eines CDU-Abgeordneten, der den Platz räumen lassen will, noch das kleinste Problem.

Weil die Stadt die Lage aber nicht eskalieren lassen und den Platz räumen will, spielt sie auf Zeit. Sie pocht auf die Vereinbarung, nach der man dort nicht wohnen darf, verbietet Heizpilze und das Stopfen von Löchern im Zelt vor dem Winter. Damit die Flüchtlinge von selber ihre Zelte abbauen und gehen können, erhobenen Hauptes.

Das aber wird nur gehen, wenn sich die Stadt und ihre Bewohner auch nach einem Abbau des Camps solidarisch mit den Sudanesen zeigen. Vielleicht gründet sich eine Gruppe, die regelmäßige gemeinsame Aktionen durchführt. Politische Information, Unterstützung beim Umgang mit Behörden, Maßnahmen zur Integration. Damit niemand vergisst, worum es ihnen eigentlich geht.

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