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21:36 26.03.2014
Von Christian Purbs
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Es ist schon ein paar Jahre her, dass Jürgen Klinsmann als neuer Trainer der Fußballer von Bayern München vorgestellt wurde. Bis der FC Bayern das Missverständnis vom Sommer 2008 zehn Monate später beendete, machte Klinsmann mehr falsch als richtig, vielleicht wird auch er heute über seine Idee schmunzeln, eine Bibliothek für die Spieler einrichten zu lassen. Eine seiner Visionen ist heute jedoch aktueller denn je. Er werde versuchen, die Bayern-Profis jeden Tag ein Stück besser zu machen, hatte Klinsmann damals gesagt. Was bei Klinsmann ein unerfüllter Wunsch blieb, ist dem späten Nachfolger Pep Guardiola tatsächlich gelungen.

Stabil auch ohne Hoeneß

Es mag außergewöhnlich sein, dass der FC Bayern München seinen 24. Titel bereits am 27. Spieltag der Fußball-Bundesliga und damit so früh wie keine andere Mannschaft zuvor in der Ligageschichte perfekt gemacht hat. Überraschend ist die Dominanz der Münchener nicht. An überragenden Spielern hat es den Bayern auch in den Jahren nicht gemangelt, als Borussia Dortmund den Münchenern zweimal eine Nase drehte und sich die Meisterschaft sicherte. Während sich die Bayern das Triple im vergangenen Jahr unter Jupp Heynckes auch mit viel Trotz und Wut holten, hat sich die Mannschaft in dieser Saison unter Guardiola zu einem Team weiterentwickelt, das statt auf Emotionen auf Kalkül setzt. Der Spanier hat den Spielern einen taktischen Masterplan an die Hand gegeben, den sie immer besser umsetzen. Jeder Profi ist besser als vor einem Jahr – ganz so, wie Klinsmann sich das vorgestellt hat.

Den FC Bayern 2014 kann nur wenig erschüttern. Nicht nur in sportlicher Hinsicht, auch in wirtschaftlicher. Er hängt nicht an der Gunst und dem Kontostand eines einzelnen Unternehmers wie andere Vereine. Vor allem Uli Hoeneß hat dem Verein in jahrzehntelanger Arbeit ein Fundament verschafft, von dem andere Bundesligisten nur träumen können. Als er 1979 Manager wurde, hatte der Klub einen Umsatz von rund sechs Millionen Euro. Heute sind es mehr als 400 Millionen Euro. Durch Partnerschaften mit Adidas, Audi und Allianz gelten die Bayern als schuldenfrei. Das teure Stadion ist abbezahlt, was noch mehr Geld für noch teurere Transfers freisetzt. Verein und Mannschaft sind dabei inzwischen so gefestigt, dass sie sich sogar von der Steueraffäre um den langjährigen Vereinspatron nicht beirren lassen. Wenn Hoeneß die Spiele seiner Bayern bald in der JVA Landsberg im Fernsehen verfolgen muss, dann bliebt der Verein mit Fachleuten wie Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer bestens aufgestellt.

Wer sich über so große Dominanz ärgert, der sollte nicht vergessen, dass von dieser Entwicklung auch die Nationalmannschaft profitiert. Für die Titelmission bei der WM in Brasilien kann sich Bundestrainer Joachim Löw auf einen starken Bayern-Block verlassen. Besonders die Entwicklung von Philipp Lahm, den Guardiola vom Außenverteidiger zum überragenden defensiven Mittelfeldspieler machte, und Mario Götze, der bei der Stürmernot im DFB-Team eine erstklassige Alternative ist, werden Löw helfen. Und wenn die Bayern-Profis mit breiter Brust nach Brasilien reisen, kann das der Nationalelf auch nicht schaden.

Geht es nach den Bayern, dann war die März-Meisterschaft nur der Auftakt zur weiteren Titelsammlung in diesem Jahr. Am 17. Mai wollen sie in Berlin den DFB-Pokal verteidigen – das große Ziel aber bleibt die Champions League. Alle Bemühungen sind auf den Wettkampf mit den europäischen Topteams wie Real Madrid, FC Chelsea und FC Barcelona ausgerichtet. Und wenn es um Einmaliges geht, sind die Bayern ohnehin gerne dabei, nächste Chance am 24. Mai in Lissabon: Noch nie hat es ein Team geschafft, die Champions League zweimal in Folge zu gewinnen.

Man muss sie ja nicht gleich lieben

An Europapokalabenden drücken viele deutsche Fußballfans den Münchenern die Daumen. In der Bundesliga hingegen gibt es für die meisten kein größeres Feindbild als den FCB. Siege gegen die Bayern sind von Hannover bis Freiburg die schönsten – aber sie werden vorerst Seltenheitswert behalten. Auch, weil die Bayern der Konkurrenz gern alle Talente wegkaufen – sogar, wenn sie nicht wirklich einen Platz für sie haben. Spannend wird es in der neuen Saison wohl abermals nur auf den Plätzen hinter den Münchenern. Dass die Überlegenheit der Bayern der Liga nicht guttut, steht außer Frage. Den Bayern ihre Extraklasse vorzuwerfen ist jedoch absurd. Man kommt kaum umhin, die Leistung des FC Bayern zu respektieren. Lieben muss man ihn ja nicht auch noch.

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