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07:15 06.02.2014
Von Stefan Stosch
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George Clooney geht immer. Tausende wollten in Potsdam und Goslar dabei sein, als der Hollywoodstar jüngst für seinen Film „The Monuments Men“ Statisten suchte. Jetzt ist der Weltkriegsthriller fertig – und hat Premiere dort, wo ein in Deutschland entstandener Film besonders willkommen ist: bei den Filmfestspielen in Berlin, die heute beginnen. Clooney und seine Kumpel Matt Damon, Bill Murray und John Goodman haben sich schon angemeldet. Das ist eine Sternstunde für den in letzter Zeit viel gezausten Festivalchef Dieter Kosslick – vor allem aber für den Filmstandort Deutschland.

„Monuments Men“ ist auch nicht die einzige Großproduktion, die in Deutschland gedreht wurde und nun einen glanzvollen Auftritt in Berlin bekommt. Die Auftragsbücher der Studios in Potsdam etwa sind so voll wie lange nicht. Der Traditionsstandort Babelsberg hat 2013 endlich wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das sind gute Nachrichten im hart umkämpften Kinogeschäft.

Finanzielle Anreize locken Hollywood nach Deutschland, Clooney durfte mal eben 8,5 Millionen Euro Fördergeld einsammeln. Solche Zugaben sind im globalen Filmzirkus üblich, ein Mehrfaches des Geldes wird dann ja wieder am Produktionsort ausgegeben. Doch es ist nicht das staatliche Zubrot allein: Deutsche Spezialisten haben sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf erarbeitet. Ihr technisches und künstlerisches Know-how ist gefragt.

Internationale Mammutprojekte bilden jedoch nur die aufregend knisternde Verpackung der Berlinale. Die mindestens ebenso wichtige Frage ist, was deutsche Regisseure beim wichtigsten deutschen Festival zu bieten haben. Auch da darf man hoffen: Gleich vier haben es in den illustren Berlinale-Wettbewerb geschafft. Erwartet werden renommierte Kräfte wie Dominik Graf, genauso aber auch (bislang) weniger bekannte wie Edward Berger, Feo Aladag und Dietrich Brüggemann.

Diese Regisseure haben sich offenbar die Lust auf Außergewöhnliches bewahrt – allen Klagen über eine mutlose Förderpolitik zum Trotz. Mit insgesamt 340 Millionen Euro unterstützen Bund und Länder das Kino hierzulande jährlich, kaum ein Film kommt ohne Zuschüsse aus. Vielfach entscheiden über das Geld jedoch klüngelhafte Auswahlgremien, in denen Fernsehredakteure den Ton angeben. Und die fördern gerne das, was sie im eigenen Programm sehen wollen: Durchschnittsware zumeist.

Dabei ist originelle Erzählkunst längst wieder gefragt. Auch das US-Kino setzt darauf. Der Fortsetzungswahn der vergangenen Jahre beschert Hollywood zunehmend Flops. Kino darf ruhig komplexer sein, wenn sich die Fans von fintenreichen TV-Serien wie „Breaking Bad“, „Homeland“ oder „Borgen“ vor der Leinwand nicht langweilen sollen.

Die nächsten zehn Berlinale-Tage könnten ein Fest für den einheimischen Film werden. Und wenn Clooney und Co. an diesem Wochenende am Potsdamer Platz den erwarteten Massenansturm auslösen, darf sich auch die deutsche Kinobranche ein wenig daran erfreuen.

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