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HAZ-Kommentar zum Thema ICE 4: Die Bahn hat Not mit den Nähten

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19:12 11.06.2019
Kommt erst später der neue ICE4. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
Hannover

Pfusch bei Schweißarbeiten – da werden Bahn-Experten in Hannover hellhörig. Eher durch Zufall kam hier jüngst ans Licht, dass neue Stadtbahnen mit solchen Fehlern geliefert worden waren. Als Folge durften sie erst zwölf Monate später als geplant in den Betrieb einscheren. Der Unterschied: Die regionale Üstra konnte das kompensieren, weil sie noch ihre unverwüstlichen grünen Bahnen im Fuhrpark hatte. Bei der Bahn geht das nicht so einfach.

Der Lieferstopp für den neuen ICE 4 kommt für die Bahn zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Staatskonzern hat gerade die Strategie „Starke Schiene“ verkündet. Er will pünktlicher, schneller und zuverlässiger werden, will einen Deutschland-Takt einführen, bei dem Fernzüge auf 30 Großstadtverbindungen zu festen Zeiten nach dem Muster der S-Bahnen unterwegs sind. Im Fernverkehr soll sich die Zahl der Reisenden bis 2030 auf 260 Millionen verdoppeln.

Dabei spielt der ICE 4 eine Schlüsselrolle. Jetzt fehlen schon die vom Lieferstopp betroffenen Züge, und die bereits ausgelieferten müssen ausgebessert werden, fallen also irgendwann ebenfalls für eine gewisse Zeit aus. Die von der FDP vorgeschlagene Variante, das Projekt neu auszuschreiben, ist wenig sinnvoll. Erstens ist ein ICE keine Bimmelbahn, sondern ein Fahrzeug mit hochkomplexer Technik und entsprechender Entwicklungszeit, zweitens ist der Markt auf Herstellerseite so gut wie monopolisiert.

Bleibt also nicht viel mehr als die Hoffnung, dass die Schäden in den Griff zu bekommen sind. Wäre Sisyphos keine Gestalt der antiken griechischen Mythologie, sondern ein Mensch im Hier und Jetzt, hätte die Bahn einen passenden Job für ihn.

Von Bernd Haase

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