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Meinung Euro-Schwäche ist
kein Alarmsignal
Nachrichten Meinung Euro-Schwäche ist
kein Alarmsignal
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08:57 08.01.2015
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Der Euro ist ins Schlingern geraten: Gestern fiel die Gemeinschaftswährung auf den tiefsten Stand seit neun Jahren. Der vermeintlich Schuldige ist schnell gefunden, schließlich startete am Wochenende die Debatte über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum. Das verunsichert die Märkte, Investoren setzen lieber auf den derzeit harten Dollar.

Tatsächlich dürfte die Furcht, dass die Radikalen die Parlamentswahl in Griechenland gewinnen, dem Euro derzeit nur wenig schaden. Eingeläutet hat die Talfahrt vor Monaten ausgerechnet die EZB, die oberste Währungshüterin der EU. Der extrem niedrige Leitzins und das schier grenzenlose Anleihe-Kaufprogramm haben eine Geldschwemme ausgelöst, die den Euro weichspült. Das ist durchaus gewollt: Ein schwacher Euro hilft der Exportwirtschaft, deren Waren so außerhalb der Euro-Zone billiger werden. Größter Profiteur ist Deutschland. Boomt der Export, geht es meist auch der gesamten Wirtschaft gut. Vor allem aber will die EZB mit immer mehr Geld Krisenstaaten stützen und die viel zu niedrige Inflationsrate hochtreiben.

Am Ende besteht die Kunst der EZB darin, die Risiken und Nebenwirkungen ihrer Strategie in Grenzen zu halten. Derzeit gibt es Anzeichen für mehr Stabilität in Europa, etwa in Portugal und Spanien, aber auch das Baltikum entwickelt sich sehr gut. Doch die Krise ist noch längst nicht überwunden – das wäre erst der Fall, wenn Frankreich und Italien sicher sind. Die Probleme dort sind das eigentliche Risiko für den Euro.
Die Kursschwäche des Euros ist dagegen kein akutes Alarmsignal. Schon Mitte 2010 und 2012 lag der Kurs auf einem vergleichbaren Niveau wie heute. Wenn es gelingt, den Reformkurs in Europa voranzutreiben und endlich auch die überfällige Wirtschaftsunion zu formen, wird auch die Erfolgsstory Euro weitergehen.

Von Udo Harms

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