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Meinung Hendrik Brandt zu Gorleben
Nachrichten Meinung Hendrik Brandt zu Gorleben
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21:16 30.11.2012
Von Hendrik Brandt
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Zu still schien David McAllister, fast schon gelähmt von der düsteren Aussicht, trotz traumhafter Umfragewerte für seine CDU wegen der schwindenden FDP am Ende doch Stephan Weil und Rot-Grün Platz machen zu müssen. Doch in dieser Woche hat er gezeigt, dass mit ihm noch zu rechnen ist – dank ein paar kühner Volten. Erst räumt seine Regierung ihre Position zum NPD-Verbot und schwenkt elegant auf den SPD-Kurs ein. Tags drauf hilft er kräftig mit, ein Projekt zu beerdigen, für das sich fast eine Generation seiner niedersächsischen Christdemokraten teils hart verkämpft hat – das atomare Endlager in Gorleben. Zwar kommt die Entscheidung zum Stopp der letzten Erkundungsbohrungen aus Berlin, doch McAllister hat ihr vor wie hinter den Kulissen den Boden bereitet.

Sicher, der Ministerpräsident selbst war schon lange kein Freund der Atomenergie mehr. Aber für seine Partei wie für den siechen Wunschpartner FDP ist dieser Wechsel in die Spur von SPD und Grünen beim atomaren Milliardenprojekt im Wendland dramatisch. McAllister schert das wenig – er verfährt hier so, wie es seine Parteivorsitzende seit Jahren vorlebt: Nicht Programme oder Grundsätze zählen, sondern Machbarkeit  und Machtmechanik. Und nicht zuletzt die Stimmung im Land.

Und so hat der Unionskandidat seinem SPD-Gegenüber binnen weniger Tage flugs zwei Wahlkampfthemen aus der Hand genommen. SPD und Grünen bleibt der trotzige Hinweis, dass man das Ende für Gorleben immer schon gefordert habe und schon viel früher gegen Nazis agiert habe. Ob das reicht? Sicher ist vorerst nur: Der Wahlkampf fängt erst an – und McAllister ist wieder im Ring.

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