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Meinung Hendrik Brandt zu Grünen und Christen
Nachrichten Meinung Hendrik Brandt zu Grünen und Christen
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06:15 19.11.2012

Längst schien ausgemacht, dass der verdiente Hamburger SPD-Mann Hans-Peter Strenge den Posten einnimmt – am Ende aber hatte der Kieler Landtagsabgeordnete Tietze die Nase vorn. Und mit ihm seine Partei: die Grünen.

Zwar sind Kirchenparlamente nicht nur nach Farben sortiert und auch von überschaubarer Bedeutung. Dass dort aber immer öfter Grüne den Ton der Mehrheit treffen, macht sie über die Kirche hinaus interessant. Und fast schon kurios ist es, dass die grüne Partei diese Liebe der organisierten Christen jetzt heftig erwidert: Gegen jede klischeegestützte Erwartung haben die Parteimitglieder die bundesweit exponierte Kirchenfunktionärin Katrin Göring-­Eckardt als Frontfrau für die Bundestagswahl im nächsten Jahr benannt. Manche Alt-Grüne und mit ihnen Claudia Roth und Renate Künast mögen sich beim Parteitag im hannoverschen Congress-Centrum an diesem Wochenende noch immer zagend fragen, wie das passieren konnte.

Kinder, Kirche und Karriere
Vielleicht haben sie in der letzten Zeit einfach nicht gut genug hingesehen. Natürlich ist Göring-Eckardt nicht nur wegen ihres öffentlich gelebten Christentums an die Wahlkampfspitze für das kommende Jahr gewählt worden. Die ambitionierte Frau aus Thüringen hat eine lange, kurvenreiche Politikkarriere hinter sich; sie ist nicht zimperlich und schon gar nicht naiv. Wer sie, wie Jürgen Trittin, nur halb im Scherz „Mutter Teresa“ nennt, kann schnell danebenliegen. Hier unterscheidet sich „KGE“ kaum von anderen Spitzenpolitikerinnen.

Nur bringt sie eben noch ein wenig mehr mit ins Abgeordnetenbüro. Als Theologin aus der dünnen bürgerlichen Schicht, die in der DDR überdauert hat, als Mutter zweier Söhne mit Hauptwohnsitz in einem Pfarrhaus bedient sie in Verbindung mit grünen Positionen allerlei Sehnsüchte. Sie hat Kinder, Kirche und Karriere unter einem Hut. Ihr grüner Aufbruch steht auf im Wortsinn glaubhaften Prinzipien – und das passt gut in diese seltsamen Zeiten. Wem Renate ­Künast zu kratzig, Ursula von der Leyen zu perfekt und Andrea Nahles zu sehr Andrea Nahles ist, fühlt sich bei Katrin Göring-Eckardt gut aufgehoben.

Die wachsende Verbindung von Grünen und Christen wird oft als „Besinnung auf traditionelle Werte“ auf der einen und „Öffnung für die gesellschaftliche Wirklichkeit“ andererseits beschrieben. Das stimmt an der Oberfläche. Weder die Politiker noch Christen sind frei von Moden. Im Kern aber lagen Grüne und Kirchen nie so weit auseinander, wie es zu Beginn der grünen Bewegung vor mehr als 30 Jahren den Anschein hatte. Sicher, Ur-Grüne wie Thomas Ebermann und Rainer Trampert machten sich damals auf den Weg in den „ökologischen Sozialismus“ – und mancher Bischof warnte im Ton der Vor-Achtundsechziger vor langhaarigen „Ökopaxen, Maschinenstürmern und Pazifisten“. Doch schon damals standen die Theologin Antje Vollmer und Kirchendenker wie Wolfgang Huber zuweilen eng beieinander.

CDU und SPD sorgen sich
Seitdem haben beide Seiten eine Menge gelernt. Heute kann Katrin Göring-Eckardt mit Blick auf die Umwelt von der „Bewahrung der Schöpfung“ sprechen, ohne dass jemand in ihrer Partei noch ernsthaft zusammenzuckt. Wenn sie zugleich die Frauenpolitik von CDU-Ministerin Kristina Schröder geißelt und sie eine „Gouvernante“ nennt, kann sie sich im Gegenzug des Applauses auch in weiten Teilen ihrer Kirche sicher sein.

Für die politische Großwetterlage ist das alles nicht ohne Brisanz. Zum einen haben die Grünen bei vielen Christen die Position eingenommen, die eine Generation früher für die Partei reserviert war, die das „C“ im Namen führt. Die Union muss sich mühen, hier hinterherzukommen. Sogar Heiner Geißler, der die Grünen 1984 noch mit der NPD verglich, weist nun altersweise darauf hin. In vielen Großstädten und nicht zuletzt in Baden-Württemberg wissen die Christdemokraten längst, wovon er spricht.

Andererseits zeigt sich nun in der Sicht auf Gott und die Welt immer öfter ein neuer Gleichklang von Union und Grünen, der vor allem den Sozialdemokraten Sorgen machen muss. Deren Haus steht in Teilen auf einem anderen Fundament – nicht weniger sicher, aber eben nebendran. Dass alle Seiten das nach Kräften leugnen, gehört zum weltlichen Spiel. Die Kirchen sind da schon weiter.

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