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Meinung Hendrik Brandt zum NSU-Prozess
Nachrichten Meinung Hendrik Brandt zum NSU-Prozess
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21:01 01.05.2013
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Aus Angst, etwas falsch zu machen, reihen die Münchener Richter Fehler an Fehler. Jetzt stellt sich auch noch heraus, dass dort eine Reihe hoch dotierter Juristen nicht in der Lage war, eine Verlosung unfallfrei über die Bühne zu bekommen.

Schluss mit dem unwürdigen Spiel. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Rechtsterroristen sollte den letzten Anstoß dazu geben, dass die Videoübertragung von Prozessen hierzulande zweifelsfrei erlaubt wird. Das sehen auch immer mehr Juristen wie etwa der frühere Verfassungsgerichts-Präsident Hans-Jürgen Papier so. Mit guten Gründen: Der Begriff der Öffentlichkeit hat sich gewandelt - Fernsehen und Internet haben die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum neu gezogen und zum Teil gar verschwimmen lassen. Hier muss das Parlament jetzt ansetzen. Bürger und Justiz brauchen eine Antwort auf die Frage, wie öffentliche Verhandlungen unter den Bedingungen der aktuellen Medienwelt zu behandeln sind. Das anachronistische Spiel um physische Sitzplätze in einem Saal wäre etwa mithilfe auch nur einer Kamera einfach zu überwinden. Eines besseren Beleg für die Überständigkeit des alten Verfahrens als den teils absurden Ausgang der Münchener Lotterie kann es kaum geben.

Die Angst vor „Gerichts-Shows“ muss hier übrigens niemand haben. Wer einmal eine längere Verhandlung verfolgt hat, weiß: Die komplexe Prozess-Realität wird nie ein TV-Quotenhit oder eine „Klickmaschine“ im Netz werden. Das ist auch gut so. Jeder aber, der an den Problemen eines Falls, an den juristischen und inhaltlichen Feinheiten interessiert ist, muss sie kennenlernen können. Als Medienvertreter wie als Bürger. Technisch geht das heute. Wann gehen die Türen auf?

01.05.2013
Stefan Winter 29.04.2013