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Meinung In Unlust vereint
Nachrichten Meinung In Unlust vereint
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21:50 11.05.2015
Von Jörg Kallmeyer
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Was hat man in jüngster Zeit nicht alles über die wachsende Distanz zwischen Politikern und Bürgern gehört. Im kleinen Bremen ist die vermeintlich so große Kluft am Montag auf einen kleinen Spalt zusammengeschrumpft: Der Wähler und der Gewählte waren in politischer Unlust vereint. Gerade einmal jeder zweite wahlberechtigte Bremer gab am Sonntag seine Stimme ab. Und derjenige, der immerhin noch die meisten Stimmen bekommen hat, gab am Montag zu verstehen, dass ihn ein erneutes Regieren in Bremen nicht interessiert. Jens Böhrnsen verzichtet auf die nächste Amtszeit.

Am Ende wird eine Wahl, bei der es doch angeblich um nichts ging, also richtig interessant: Vor und nach dem Wahlabend gab es keinen Zweifel, dass Böhrnsen weiter mit den Grünen regieren wird. Weil in Bremen seit Menschengedenken die Sozialdemokraten am Hebel sitzen und weil die Grünen nun mal ihr natürlicher Koalitionspartner sind. Genau das aber scheint das Problem zu sein: Aus Bremen kamen Signale der politischen Erstarrung, die nicht ohne Folgen bleiben können.

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Jens Böhrnsen hat man diese Erstarrung im Wahlkampf körperlich anmerken können. Da gab es nicht mal eine Spur von Dynamik. Selten zuvor hat man am Wahlabend einen solch unglücklichen Sieger gesehen: Böhrnsen schleppte sich von Kamera zu Kamera, müde winkte er seinen Anhängern zu. Sicher, die Verluste der Sozialdemokraten waren hart, das schlechteste Ergebnis an der Weser muss erst einmal verarbeitet werden. SPD-Spitzenkandidat Böhrnsen übernimmt persönlich die Verantwortung dafür. In Zeiten allgemeiner Politikmüdigkeit aber kann das Signal verheerend sein: Warum soll man überhaupt noch zur Wahl gehen, wenn der Gewählte am Ende von dem Amt und der damit verbundenen Verantwortung nichts wissen will?

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