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Meinung Ins Wirkliche!
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23:28 23.09.2010
Von Ronald Meyer-Arlt

Oder sie begeben sich an soziale Brennpunkte und bieten Jugendlichen, die sich benachteiligt fühlen, die Möglichkeit, von ihrer Situation zu berichten. Solche Interventionen des Theaters in die Wirklichkeit sind meist gern gesehen, oft unterhaltsam, manchmal witzig und lehrreich. Und im Grunde harmlos. Es ist halt Spiel.

Manchmal aber bricht auch die Wirklichkeit ins Theater ein. Und das ist nie harmlos. Denn dann wird aus dem Spiel Ernst. Im Rahmen einer Veranstaltung des Niedersächsischen Staatstheaters ist Jürgen Trittin, der Chef der Grünen im Bundestag, nun mit einer Joghurttorte attackiert worden. Das war keine Inszenierung, sondern ein Einbruch des Wirklichen ins Theater. Es war echter Joghurt, Trittin war wirklich getroffen – und die Bewohner des Hüttendorfes waren tatsächlich schockiert. Sie haben sich deutlich von der Aktion distanziert. Sie seien an einem „friedlichen Meinungsaustausch“ interessiert gewesen, sagen sie. Und das klingt glaubwürdig.

Republik mit Bildungsauftrag

Solch eine Distanzierung von Gewalt gegen Politiker hätte man sich auch von Hanna Poddig gewünscht. Die Buchautorin und „Vollzeitaktivistin“ im antimilitaristischen und antiatomaren Widerstand, die oft in Talkshows zu sehen ist, hat den Angriff auf Trittin nicht verurteilt. Sie habe sich nicht distanziert, weil sie die Wut, die viele Atomkraftgegner auf die Grünen haben, nachfühlen könne, sagt sie. Im Grunde aberwitzig: Die Dame aus dem Widerstand nimmt an einer Diskussionsveranstaltung teil, heißt es aber gut, wenn andere angegriffen werden und ein Gespräch so unmöglich gemacht wird.

Natürlich muss man auch mit denen reden können, deren Meinung einem nicht gefällt, natürlich darf man Leute, mit denen man reden will, nicht tätlich angreifen. Und man darf auch nicht gutheißen, dass andere das tun. Das sind Selbstverständlichkeiten. Eigentlich braucht man gar nicht darüber reden.

Politisches Theater in neuer Form

Dass man das doch tun muss, haben die Bewohner des Hüttendorfes, zumeist Schüler aus Hannover, nun gelernt. Sie wissen jetzt, dass Rede-, Diskussions-, und Meinungsfreiheit keineswegs Selbstverständlichkeiten sind, sondern dass man auch dafür kämpfen muss.

Die reaktivierte „Republik Freies Wendland“ (gefördert von der Bundeskulturstiftung mit 30.000 Euro und vom Staatstheater mit 20.000 Euro) hat einen Bildungsauftrag. Jugendliche sollen sich hier mit den Mechanismen politischer Willensbildung und mit Protestkultur auseinandersetzen. Auch wenn die Hüttenbauerei auf dem – in diesen Tagen erstaunlich lebendigen – Ballhofplatz nicht immer so aussieht: Es ist politisches Theater in einer neuen, jungen Form.

Und es ist auch nach dem Tortenwurf immer noch ein richtiges Projekt. Wer will, dass Theater nur auf Bühnen stattfindet, die mit einem Vorhang ausgestattet sind und sich vor Reihen von Plüschsesseln befinden, der will, dass es nicht mehr lange stattfindet. Schauspiel hat ein Problem: Das Publikum altert, junge Zuschauer fehlen. Es ist richtig, sich um junges Publikum zu kümmern. Es ist richtig, auch auf den Straßen zu spielen. Es ist richtig, Projekte zu wagen, bei denen die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit nicht immer klar zu erkennen ist.

Die politische Kraft, die Theater zu Schillers Zeiten hatte, hat es heute nicht mehr. Wenn sich Theaterleute bemühen, sie wenigstens teilweise wiederzuerlangen, kann man ihnen nur die Daumen drücken.

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