Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Jörg Kallmeyer zur Facebook-Fahndung
Nachrichten Meinung Jörg Kallmeyer zur Facebook-Fahndung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:15 01.04.2012
Von Jörg Kallmeyer
Anzeige
Hannover

Der Mann verdient sicher kein Mitleid, die Geschichte aber zeigt auch, wie schnell und unbedacht sich Menschen heute im ganz großen Stil zu Fahndern, Anklägern und Richtern zugleich machen. Und was ist eigentlich, wenn die soziale Aufregung im Netz einmal den Falschen trifft?

In Emden hat ein junger Mensch jetzt die besondere Wucht der modernen Anprangerung zu spüren bekommen. Weil ein übereifriger Internet-„Fahnder“ den Vornamen verwechselt hatte, musste ein unbescholtener 16-Jähriger von der Polizei vor dem wütenden Mob geschützt werden. Falsche Anschuldigungen und Verdächtigungen hat es nach Verbrechen schon immer gegeben. Durch die Verbreitung in einem Medium, das keine Grenzen und keine Sorgfaltspflicht kennt, können solche Prozesse aber eine dramatische Dynamik gewinnen.

Die Kritik der Polizei an den Vorgängen in Emden wäre glaubwürdiger, wenn die Beamten inzwischen nicht selbst per Facebook fahnden würden. Hier verbürgt sich die Polizei für die Information – ein großer Unterschied zum Aufruf durch Kommissar Zufall. Beim Verfahren aber setzt der Staat auf die gleiche Schwarmwirkung, die Informationen im Internet entfalten. Längst heiligt bei der öffentlichen Fahndung der Zweck die Mittel. Und am Ende zählt der Erfolg: Dass der Verdächtige 17-Jährige gefasst wurde, liegt nicht zuletzt daran, dass die Polizei die Videoaufzeichnungen aus dem Parkhaus verbreitet hat – über fast alle Kanäle.

Dirk Stelzl 29.03.2012
Lars Ruzic 28.03.2012