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Meinung Kinder, Kinder
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21:28 29.12.2010
Von Reinhard Urschel

Das entspricht einem Plus von 3,6 Prozent. Ein derart großer Zuwachs war im gesamten letzten Jahrzehnt nicht feststellbar.

Dem in absoluten Zahlen ausgedrückten Babywunder wohnt ein zweiter Zauber inne: Die Kinder kommen, obwohl die Zahl der Frauen sinkt, die Kinder gebären können. Die Statistik setzt das gebärfähige Alter zwischen 15 und 45 Jahren fest. Jedes Jahr gehören etwa 300.000 Frauen weniger zu dieser Gruppe. Das heißt, die Veränderung ist eine doppelte: Weniger Frauen bekommen mehr Kinder.

Beinahe gleichzeitig hat die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung eine weitere Rechnung aufgemacht. Zum Jahreswechsel werden etwas mehr als 6,9 Milliarden Menschen auf dieser Erde leben, die Sieben-Milliarden-Grenze wird etwa Mitte des Jahres 2011 erreicht sein.

Theorien und Trugschlüsse

Sogleich weicht die Freude einer gewissen Besorgnis. Was hier für so sehr sinnvoll erachtet wird, dass der Staat fördernd eingreift, stellt die Gesellschaften in anderen Kontinenten vor schier unlösbare Aufgaben. Steigende Geburtenraten sind offenbar nicht für sich genommen schon etwas Schönes, es kommt auch darauf an, wo sie steigen. Was in Südamerika, Asien und Afrika schon deshalb ein gewaltiges Problem werden wird, weil die Ernährung so vieler Menschen nicht gewährleistet werden kann, erscheint uns hier notwendig für das Überleben unserer Gesellschaft.

Man muss nicht auf Endzeitpropheten wie Thilo Sarrazin zurückgreifen mit seiner Behauptung, Deutschland schaffe sich ab, wenn nur noch „kleine Kopftuchmädchen“ oder Kinder in niedrigen Bildungsschichten geboren werden. Es genügt, genau zuzuhören bei den tagesaktuellen Debatten: über die sinkenden Einnahmen der Krankenkassen und der Rentenkassen bei gleichzeitig steigenden Ausgaben. Über den drohenden Mangel an Arbeitskräften. Über die Entleerung des ländlichen Raums. Sie alle fußen auf der Annahme, dass die Zahl der Geburten in diesem Land weiter so niedrig bleibt wie bisher.

Und nun doch die Wende? Man sollte behutsam bleiben bei aller Freude, aus zweierlei Gründen. Zum einen werden wir erst in paar Monaten wissen, ob die Paare in Deutschland auch in den letzten drei Monates des Jahres so viel Nachwuchs hervorgebracht haben wie in den ersten neun. Zum zweiten, und das ist die große Unbekannte in der Wahrscheinlichkeitsrechnung, wissen wir so gut wie gar nichts über die Ursachen für den Anstieg.

Die Freunde staatlicher Förderpolitik für Frauen und Familien, zu denen an allererster Stelle die derzeitige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zu zählen ist, werden sogleich auf die Einführung des Elterngeldes verweisen. Tatsächlich ist die Zahl der Geburten schon einmal deutlich gestiegen. Das war 2007, nach der Einführung des Elterngeldes. Andere Stimmen, eher vonseiten der SPD, werden den Ausbau der Betreuung in Kindertagesstätten herausstreichen. Alle gemeinsam sollten sie nicht dem Trugschluss erliegen, dass junge – oder in steigendem Maße auch ältere – Paare sich entschließen, just deswegen ein Kind zu bekommen, weil der Staat etwas zuschießt bei der Versorgung in den ersten Lebensmonaten und -jahren.

Die schönste Erklärung

Nach allen soziologischen Erkenntnissen ist es eher umgekehrt: Sind die Umstände unpassend, wird ein Kinderwunsch aufgeschoben. Junge Akademikerinnen entsagen ja dem Kinderwunsch häufig nicht etwa deshalb, weil sie keine Kinder mögen, sondern weil sie nach Studium und Berufseinstieg erst Fuß fassen müssen, bevor sie sich die Kinderauszeit überhaupt leisten können. Befristete Arbeitsstellen, drohende Arbeitslosigkeit, auch das sind Gründe, den Wunsch nach einem Kind hintanzustellen.

Umso erstaunlicher ist der Anstieg der Geburten in diesem Jahr. Die wirtschaftliche Lage gilt zwar als vielversprechend, aber sicher ist das nicht. Offenbar gibt es Gründe, Kinder in diese Welt zu setzen, die sich weder mit statistischen noch mit gesellschaftspolitischen Methoden ergründen lassen. Die schönste Erklärung für den Zusammenhalt und die Zukunft dieser Gesellschaft wäre doch diese: Es gibt doch noch genügend Paare, die sich Kinder wünschen um der Kinder willen.

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