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Meinung Klarer Sieg für Winterkorn
Nachrichten Meinung Klarer Sieg für Winterkorn
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19:56 17.04.2015
Von Stefan Winter
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Mit einem Satz wollte Ferdinand Piëch mal wieder Wirtschaftsgeschichte schreiben. Es war der eine Satz zu viel. Entgegen allen Erwartungen ist er mit seinem Angriff auf VW-Chef Martin Winterkorn ins Leere gelaufen. Die Kollegen im Aufsichtsratspräsidium des Konzerns sahen am Ende nicht einmal die Möglichkeit zu einer gesichtswahrenden Lösung für den Patriarchen. Mit den fünf anderen sichert er Winterkorn jetzt „uneingeschränkte Unterstützung“ zu – aus der Distanz, wenn wir das richtig verstanden haben. Piëch hat sich über die Jahre daran gewöhnt, dass seine Voraussagen schon deshalb Realität werden, weil er sie ausspricht. Doch abgesehen davon, dass man ein modernes Unternehmen grundsätzlich nicht als einsamer Autokrat führen sollte, ist  er dazu offenbar auch nicht mehr in der Lage. Die Irrfahrt der vergangenen Woche findet ihre bisher schlüssigste Erklärung darin, dass dem 78-Jährigen Kurs und Tempo doch nicht so klar waren, wie alle dachten. Das Aufsichtsratspräsidium griff dem Vorsitzenden ins Lenkrad – ein, gelinde gesagt, außergewöhnlicher Vorgang.

So hat die kurze Konzernkrise, was eigentlich alle vermeiden wollten: einen Gewinner und einen Verlierer. Der Mythos Piëch hat schweren Schaden genommen. Die von ihm zu leitende Hauptversammlung in zwei Wochen droht zu einer peinlichen Veranstaltung zu werden, den Weg bis zum regulären Ende der Amtszeit 2017 kann man sich derzeit kaum vorstellen. Dafür ist der eben noch abgeschriebene Martin Winterkorn jetzt selbst auf dem Weg zum Mythos. Er hat nicht nur die erfolgreichsten Jahre des Konzerns geprägt, sondern als einer von ganz Wenigen dem „Alten“ widerstanden und kann, wenn sich der Konzern entwickelt wie bisher, in ein paar Jahren als Chef des Weltmarktführers abtreten.

Unter den gegebenen Bedingungen ist das das beste Ergebnis, das man für den VW-Konzern erhoffen konnte. Winterkorns Qualitäten stehen außer Frage, und die Schwachstellen ist er im vergangenen Jahr konsequent angegangen.

Zu den Lehren dieser Woche gehört, dass Volkswagen seine Helden bisweilen auf ein zu hohes Podest stellt. Der bodenständige Winterkorn dürfte das spüren und Triumphgesten vermeiden. Er ist der Gewinner des Machtkampfs. Aber geholt hat ihm den Sieg ein buntes Bündnis aus dem Gewerkschafter Bernd Osterloh, dem Milliardär Wolfgang Porsche und dem Politiker Stephan Weil. Die beste Nachricht ist, dass diese Allianz funktioniert, wenn sie gebraucht wird.

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