Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Kleinsparer müssen draußen bleiben
Nachrichten Meinung Kleinsparer müssen draußen bleiben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:17 27.04.2015
Von Albrecht Scheuermann
Anzeige

Wenn es einen Preis für strategisches Hin und Her gäbe, wäre die Deutsche Bank bestimmt ein heißer Anwärter auf die Auszeichnung. Mal galt ihr das Geschäft mit den Privatkunden als uninteressant, man wollte es abtrennen. Dann wieder investierte die Bank Milliarden, um mehr Kleinsparer in den Konzern zu holen. Dadurch wurde die Deutsche Bank auch zum Eigentümer der Deutschen Postbank - doch nur einige Jahre später kommt jetzt schon wieder der Rückzug. Die Postbank steht erneut zum Verkauf. Ihr eigenes Privatkundengeschäft will die Deutsche Bank zwar behalten, aber das Filialnetz kräftig ausdünnen.

Hinter dem neuesten strategischen Schwenk stehen freilich Marktveränderungen, die das ganze Kreditgewerbe in Zugzwang setzen. Das Geschäft mit Privatkunden wirft immer wenig ab. Wichtigster Grund: Die Abschaffung der Zinsen durch die Europäische Zentralbank bringt die Kalkulationen gründlich durcheinander. Wenn sich eine Bank oder Sparkasse früher freute, dass ein Kunde mit seinem Ersparten in die Filiale kam, ist heute eher das Gegenteil der Fall: Mit den Kundeneinlagen lässt sich kaum noch Geld verdienen, die Margen sinken. Um sie auf früherem Niveau zu halten, müssten die Geldhäuser heute für Einlagen eigentlich Gebühren nehmen, was sich jedoch zumindest bei den Privatkunden niemand erlauben kann (und will).

Anzeige

Eine Umwälzung bringt auch der Siegeszug der Technik. Immer mehr Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte am Computer oder per Smartphone. Dies erspart nicht nur den Gang zur Zweigstelle, sondern verschärft auch den Wettbewerb im Bankgewerbe. Schließlich spielt die Technik gerade den Banken in die Hände, die ihr Geschäft kostengünstig ohne Zweigstellen betreiben.

Stärker als die Deutsche Bank treffen die Marktprobleme die zahlreichen Regionalinstitute, also Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Sie können ohne die Privatkunden nicht existieren, werden aber in den nächsten Jahren zunehmend unter Kostendruck geraten. Wohin das führt, liegt auf der Hand: Es wird immer weniger Filialen geben, was vor allem für ältere Kunden fernab der Städte zum Problem werden dürfte.

Für Standardgeschäfte wie Überweisungen oder einfache Geldanlagen muss man dann den PC anmachen oder das Handy zur Hand nehmen. Die Frage „Was können wir für Sie tun“ in der Bankfiliale wird sich auf Geschäfte beziehen, die mehr Ertrag abwerfen - Wertpapiertransaktionen, Fondssparverträge, Altersvorsorge oder Hausfinanzierung.

27.04.2015
Stefan Winter 27.04.2015
Meinung Kommentar zum Flüchtlingsgipfel - Europa in der Schockstarre
Jörg Kallmeyer 25.04.2015