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Meinung Gefährlicher Kurs
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21:20 21.01.2014
Von Alexander Dahl
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Udar, der Schlag, nennt sich die ukrainische Oppositionspartei von Vitali Klitschko. Das klingt nach der harten Rechten des Boxweltmeisters. Aber der Boxring ist ein anderes Spielfeld  als die politische Arena. Dort droht Klitschkos Schlagkraft gerade zu erlahmen.

Die Opposition kämpft gegen den moskaufreundlichen Kurs der Regierung. Seit dem Wochenende aber ist der Protest gegen Präsident Wiktor Janukowitsch in pure Gewalt abgeglitten. Häppchen als Sympathiebeweis für die Polizisten, die Demonstrationen kontrollieren, gibt’s nicht mehr. Stattdessen werden Molotowcocktails und Steine geschleudert. Hunderte Beamte wurden verletzt. Klitschko steht der Radikalisierung machtlos gegenüber. Er weiß, dass Gewaltexzesse die Unterstützung des Westens gefährden. Aber wissen das auch die Protestierer? Als Klitschko zur Mäßigung und Gewaltlosigkeit aufrief, wurde er wütend ausgebuht – ein Alarmzeichen. Die Regierungsgegner haben den Kern der Demokratie offensichtlich nicht verstanden: die Suche nach dem Kompromiss, der eben nicht mit einem vernichtenden Schlag gegen den politischen Gegner zu finden ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Regierung von Janukowitsch auf Eskalation setzt. Gespräche nach den blutigen Unruhen sagte sie ab. Ihr Kalkül ist durchsichtig: Je mehr Gewalt von der Opposition verübt wird, desto mehr lässt sich staatliche Repression rechtfertigen.
In dieser Phase ist der Westen gefragt, sich einzuschalten. Auf Russland als Schlichter darf niemand hoffen. Beiden Seiten, auch der prowestlichen Bewegung, muss klar gemacht werden: Gewalt führt die Ukraine ins Abseits, aber nicht nach Europa. Vor Weihnachten sind viele westliche Politiker nach Kiew gereist, um zu vermitteln. Eine Neuauflage der Reisediplomatie ist dringend notwendig.

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