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Meinung Und die Unis?
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21:09 30.07.2013
Von Marina Kormbaki
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Norbert Lammert steckt in einer misslichen Lage. Immerhin aber konnte der Bundestagspräsident bei Guttenberg, Schavan und Co. studieren, was man als Spitzenpolitiker, der im Verdacht steht, bei seiner Doktorarbeit geschlampt zu haben, lieber lassen sollte: Lügen, Leugnen, Mauern. Lammerts bisheriges Krisenmanagement ist vorbildlich: Er hat die Universität Bochum am Montag persönlich um Klärung gebeten, am Dienstag stellte er das fragliche Werk für alle einsehbar ins Internet, zu seiner Verteidigung schlägt er einen leisen Ton an.

Es ist die Reaktion eines Mannes, der um Sachlichkeit bemüht ist. Und der vertraut ist mit den Gesetzen der Aufmerksamkeit in einer Mediengesellschaft. Nicht viel Aufhebens machen um eine Arbeit, die vor fast 40 Jahren entstand, nicht dem denunziatorischen Eifer mancher Netzkommentatoren Auftrieb geben, und die Sache versendet sich – mag sein, dass dies Lammerts Kalkül ist. Und es ist ja auch nicht unwahrscheinlich, dass alles bald vergessen ist, denn das Schockpotenzial von Plagiatsvorwürfen geht inzwischen gen null. Und das zeigt auf das eigentliche Problem.

Der Nimbus des Doktortitels hat sich verflüchtigt – mehr noch: Der Titel gibt manchem Anlass zu Spötteleien. „Na, alles selbst geschrieben?“ Den Satz hat inzwischen wohl jeder Promovierte zu hören bekommen. Es ist ja nicht schlimm, dass der bloße Titel keine Ehrbekundungen mehr auslöst, aber die Plagiatsaffären und deren mitunter fragwürdige Aufarbeitung haben der Wissenschaft großen Schaden zugefügt.

Zwar versprechen die Hochschulen seit zweieinhalb Jahren, ihre Qualitätskontrollen zu verbessern, aber bisherige Ergebnisse, wie sie sich etwa in den jüngst verabschiedeten Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz finden, sind dürftig. Dort heißt es auch, dass „gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis“ verstößt, wer sich mit seinem Verdacht an die Öffentlichkeit wendet. Also lieber keine offenen Debatten mehr? So lässt sich Vertrauen nicht zurückgewinnen.

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