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Meinung Zu hoch gepokert
Nachrichten Meinung Zu hoch gepokert
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21:07 01.12.2013
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Hochmut kommt vor dem Fall – und manchmal liegen dazwischen nur wenige Tage. Wiktor Janukowitsch hat sich für sehr schlau gehalten. Nach jahrelangem Ringen um ein Handelsabkommen hat der ukrainische Präsident die EU vor zehn Tagen plötzlich abblitzen lassen und sich statt dessen Moskau zugewandt. Dann hat er noch eins draufgesetzt. Beim EU-Ost-Gipfel Ende vergangener Woche in Vilnius hat er alle diplomatischen Gepflogenheiten missachtet und den Brüsseler Unterhändlern nichts geboten, was ihnen einen gesichtswahrenden Abgang ermöglicht hätte. Die EU stand blamiert da.

Mag sein, dass die unentschlossene, auf die Freilassung der Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko fokussierte Verhandlungsführung der EU ihren Teil zum Eklat beigetragen hat. Entscheidend aber ist, dass Janukowitsch ein Pokerspieler ist. Gegen seine Gewohnheit ließ Janukowitsch Tausende proeuropäische Demonstranten in Kiew gewähren – und setzte sie als Druckmittel gegenüber Russlands Führung ein. Die Botschaft an Moskau: Ich bin allzeit bereit zum abermaligen Kurswechsel in der Wahl meiner Bündnispartner – wenn ihr mir nicht mit Geld und Gas entgegenkommt. Es war die Woche des Hochmuts.

Das Wochenende hat aber gezeigt, dass Janukowitsch sich verzählt hat; im Poker um sein Land gibt es mehr als die drei Akteure EU, Russland und ihn selbst. Es gibt einen vierten, und das ist die westukrainische oder jedenfalls die Kiewer Bevölkerung. Die „Maidanen“ haben ihre Hoffnung in den von Janukowitsch einst selbst zelebrierten Westkurs gesetzt, nun sehen sie sich getäuscht. Ihr Protest geht weit über das Maß hinaus, das Janukowitsch ohne Gewalt kontrollieren kann. Nicht auszuschließen, dass dies die Woche eines tiefen Falls wird.

dpa

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