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Meinung Das gebrochene Versprechen
Nachrichten Meinung Das gebrochene Versprechen
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20:17 28.04.2015
Von Stefan Koch
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Schwerbewaffnete Nationalgardisten patrouillieren in Baltimore. Eine knappe Autostunde von Barack Obamas Regierungssitz entfernt ist die Polizei alleine nicht mehr in der Lage, auf den Straßen für Ordnung zu sorgen. Die Eskalation der Gewalt in der Ostküstenmetropole erscheint wie ein Armutszeugnis für die Politik. Die Proteste entzündeten sich am Tod eines jungen Afroamerikaners, der offensichtlich von Polizisten misshandelt worden ist. Dass die friedlichen Demonstranten so schnell von Randalierern überrannt wurden, zeigt aber, dass diese Krise über den Einzelfall weit hinausreicht: Viele junge Menschen fühlen sich ohnmächtig und sehen für sich und ihre Angehörigen keine Perspektiven mehr.

Nach der Trauerfeier für einen im Polizeigewahrsam gestorbenen Afroamerikaner haben sich Polizisten und Demonstranten in der US-Großstadt Baltimore erneut gewalttätige Auseinandersetzungen geliefert.

Ein Drittel der Familien, die in den betroffenen Straßenzügen wohnen, lebt unterhalb der Armutsgrenze. Wer klug ist, hält sich nach Einbruch der Dunkelheit von diesen Stadtvierteln fern. Anders als in Ferguson ist die Frontstellung zwischen Weiß und Schwarz in Baltimore keineswegs eindeutig. Unzählige Afroamerikaner arbeiten bei der Polizei, in der Stadtverwaltung oder dienen in der Nationalgarde von Maryland. Die Bürgermeisterin wehrt sich zu Recht gegen allzu schnelle Urteile. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass sich Afroamerikaner oft im Schatten der Gesellschaft wiederfinden. Sie sind die Hauptleidtragenden eines Systems, das Bildung eng an die finanziellen Möglichkeiten der Eltern knüpft. Da die Ausstattung der öffentlichen Schulen größtenteils von den Steuereinnahmen des jeweiligen Stadtteils abhängig ist, bleiben die ärmeren Viertel auf der Strecke.

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Wer aus schwierigen Verhältnissen stammt, hat es nicht leicht, sich aus eigener Kraft nach oben zu kämpfen. Das Versprechen Amerikas, jedem Menschen eine Chance zu geben, der fleißig arbeiten will, wird immer häufiger gebrochen.

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